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Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 3

Konfusion?

Solange eine Konfusion noch nicht zu erkennen ist, ist sie noch ohne Wirkung. Die potentielle Kundschaft von Sensationen wähnt sich in schadenfroher Erwartung auf mehr. Im Embryonalzustand zeigt sich Verwirrung meist niedlich, einem Mäuschen gleich, das ein paar angenagte Erstausgaben um die Ecke bringt.

Was soll’s? Wer liest schon die alten Weisheiten?

Richtig konfus wird es erst, wenn eine freche Maus einem Elefanten hinterherrennt. Paparazzi begeben sich in die Startlöcher. Dickhäuter fliehen panisch in höhere Etagen und Menschen erschrecken vor der Blasphemie. Staatsarchiv verwüstet! Die Presse bedauert die abhandengekommenen Tatsachen. Dafür erfahren wir mehr über die Lage in Taka-Tuka-Land.

Mitunter wird das Denken in Mitleidenschaft gezogen. Was halbwegs schon gedacht, prallt von der diffusen Mauer rund um die Verwirrung ab. Dahinter lauert die – mittlerweile ausgewachsene – Konfusion. Niemand ist sich sicher, was eigentlich dort los ist – gar wie und warum. An Lesen nicht gewöhnt, kann kaum jemand etwas darüber nachschlagen. Doch die Neugier ist stärker als die Heimsuchung. Der Bierernst hat das Sagen.

Man rennt zur Konfusion, überholt einander, stolpert, überwindet die Fliehkraft und andere Naturgesetze und strebt dem Ort des Tumults zu. Sensation! Aus gewisser Distanz wagt man, das verwünschte Gebilde anzuglotzen und erschafft dabei zur Fama werdende Gerüchte aus der Ferne des Verstandes. Abstand hin oder her, man ist hoffnungslos der Unfassbarkeit ausgeliefert.

Schließlich sickert etwas durch und jeder behauptet etwas Anderes über das Unbeschreibliche. Die Konfusion triumphiert auf ihrem chaotischen Unterbau und verbleibt – bis auf weiteres – mit freundlichen Grüßen aus dem Nichtsundwiedernichts, als ob sie wirklich sei.

Leider geistert so etwas nicht ausschließlich durch Morpheus’ Reich.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 2

Konfusion?

Sie ist doch kein Grund zur Aufregung! Zumindest vorläufig nicht.

Eine Konfusion stiftet bloß Verworrenheit bei diversen Themen, z. B.: „Wie man in einem Heuhaufen eine nichtvorhandene Stecknadel finden kann“. (besser – weil es um ein Thema geht: „Auffinden einer nichtvorhandenen Stecknadel in einem Heuhaufen.“) Was hier Verwirrung verursacht: Warum eine im Heuhaufen nicht hinterlegte Stecknadel auffindbar sein soll, obwohl doch das Sprichwort besagt, die Nadel gäbe es nur deshalb, damit man sie nicht finde.

Wie aus dem Nichts, haben wir es plötzlich mit einer Störung zu tun. Das Nichts veranschaulicht hier, dass sogar ein Haufen von Kompetenzen nicht imstande ist, besserwisserisch aus dem Nichtvorhandensein irgendetwas zu retten. Eine notgedrungen auftretende Konfusion mischt sich ein und bietet eine Unmöglichkeit an. Dann wird es erst recht konfus. Ein undefiniertes Getue führt bis zum Überdruss einen Reigen der Verwirrung auf. Gefolgt vom allmählichen Anzweifeln der Trugbilder, welche die Existenz der Nadel verschleiern.

Demnach wird fälschlicherweise angenommen, dass Strohhalme einer Errettung aus dem Heuhaufen ausreichend dienen könnten. Wobei es am feuchten Element fehlt, um an den Halmen zu saugen.

Konfusion scheint eine Vertiefung der Unkenntnis zu sein.

Auch wenn man nicht gleich behaupten mag, das wäre Schwachsinn, scheint es den meisten so, als ob in der Nadel der Wurm stecke. Gemeint sind all jene, die diese Unberechenbarkeit auf die Spitzfindigkeit treiben, dass die nichtvorhandene Nadel wurmstichig sei! Jedenfalls wird kurzerhand angenommen, dies sei wahrscheinlicher als das, was verbohrte Volksweisheiten uns vorgeben.

Insofern verlässt sich die Mehrheit auf wegweisende Strohmänner in Nadelstreifen. Und der Volksmund drischt weiterhin spitze Sprüche.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 1

Konfusion?

Bloß nicht aufmachen, wenn so eine an die Tür klopft! Aber selber schuld, wenn das Schlüsselloch die Neugier befriedigt. Das, was man aber nicht wirklich sieht, ist die ins Auge stechende Unwirklichkeit. Getarnt unter dem Deckmantel Konfusion versperrt sie die Tür zum Verstand und kennt in der so usurpierten Schlüsselposition kein Wenn und Aber. Sie bringt geordnete Verhältnisse gehörig durcheinander, wildert draußen und drinnen, flicht das Grausen zum Gordischen Knoten, zerwühlt die Bettwäsche … doch schlaft ruhig weiter, liebe Kinder, ist ja nur ein Traum.

Um eine Vorstellung von der Konfusion zu bekommen, fangen wir am besten mit einer Traumdeutung an: Manche verfallen einer ihrer Erscheinungen, andere träumen sie quer oder seitenverkehrt. Von welcher Seite auch immer die Chimäre ins Auge gefasst wird: es kommt zu Schlafpannen. Viele büßen wegen des getrübten Blicks auf die verworrene Substanz ihre Bettruhe ein und fallen in Albträume mit Traumsequenzen von unbestimmter Dauer beim in geistlosem Herumirren um konfuse Eruptionen. Aus eigener Kraft ist da kaum noch zu entscheiden, was wahr ist. Was hat die Konfusion den Tatsachen angetan, dass sie als nebulöse Schwaden empfunden werden? Albträume sind per se unberechenbare Konfusionen und schließen ein Bewusstwerden des eigenen Unterbewussten aus. Konfusionen lassen sich nicht voneinander unterscheiden, einzelne davon erst recht nicht als aktuell spezifizieren, definieren oder vorab aussondern.

An Betrachtungswinkeln herrscht kein Mangel, allerdings fehlen aus der Ferne die signifikanten Differenzen, um spezifische Winkel zu bestimmen.

Wach auf, Kleiner, das muss ein böser Traum gewesen sein, den dir deine Triebe beschert haben … pass auf, Einschlafen ist gut, doch Aufwachen ist besser! Im wachen Zustand träumt man nicht von Konfusionen, weil sie Wirklichkeit sind und an deinem Schlüsselbund hängen.

Staffel 6 (107)/ 17

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 16 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Ah, das Universum

Schluss! Bisher gelang kein zufriedenstellendes Etwas, doch hoffen wir in der nächsten Generation zumindest das Nichts zu vollbringen. Was nicht sonderlich schwierig sein dürfte. Doch es geht um mehr.

Anhand vorhandener Fragmente an Mutmaßungen kann schließlich dem lückenhaft umrissenen Etwas, als dem bisherigen Ergebnis unserer Forschung, ein Name verliehen werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Benennen wir das epochale Ereignis und sei es auch nur für die Akten; damit das Gefühl aufkommt, etwas festgehalten zu haben. Das Mysteriöse bei dem ganzen Getue bleibt nach wie vor ein Rätsel!

Wie soll nun die Brut aus dem anonymen Ei heißen? Vorerst ist Etwas weder ein Er, noch eine Sie. Der Aggregatzustand ist verwirrend und für starre Hypothesen unbrauchbar. Dennoch sollte eine angemessene Würdigung der untadeligen Entfaltung – eine solide Kennzeichnung des ALLumfassenden Wunders – erfolgen. Kaum zu vertreten wäre es, dem Sprössling einen Kosenamen ohne Begleitung von emotionellen Temperaturschwankungen zu verpassen. Damit kann man einem Universum17 nicht hinterherlaufen.

Heureka: Universum! Ein DAS! Im Anfang war das DAS! Jawohl, als ein entsprechendes ETWAS ohne Stammbaum und mit haarsträubender Biographie, als ein Kuriosum, das sich mit Blitz und Riesenknall aus der Null materialisierte.

So, jetzt haben wir es … das Universum – banal, aber die Tatsache par excellence – die Ursache, derentwegen wir dieses Sternpanorama genießen dürfen! Wenn wir von Anfang an geahnt hätten, dass das Naheliegende das Endergebnis sein würde, hätten wir uns die Mühe sparen können, so weit in die Ferne zu schielen. Für Ausflüge ins Jenseits unserer limitierten Sicht sind wir sowieso nicht gerüstet. Ein einfaches Universum müsste für so Seiendes vorläufig ausreichen. Vorläufig ist gut gesagt, denn das ETWAS hat just das Nirgendwo verlassen und ist nun in diesem unserem Universum angekommen! Alles Weitere ist weiter weg und das noch weiter Entfernte zählt nicht. Doch ganz so einfach ist das mit dem Leben selbst nicht. Es bedeutet Verstrickungen! Das Recht auf Sein hat sich im Zeitlauf verkompliziert! Im Sinnenreiz der Existenz brachte die Schöpfung als zwangsläufige Begleiter hervor: Zeit, Wahrheit, Realität und den ganzen Rest. Sie alle sind zwar verrufen! suspekt! unbefriedigend! berüchtigt! Aber für den Umgang miteinander haben wir keine anderen!

Schließen wir mit einem Schlusswort:

„Möge sich die ZEIT auf ewig dahinschleppen und gelegentlich mit Plötzlichkeit überraschen – wir verlassen uns darauf, dass ETWAS niemals vergeht!

Das NICHTS kann uns den Buckel runterrutschen – es juckt uns nicht;

ein JETZT, das gleichzeitig kommt und geht, wirkt nicht sehr seriös;

REALITÄT und WIRKLICHKEIT, diese Handlanger der WAHRHEIT, sollen unseretwegen die Philosophie in Permanenz strapazieren. Die Bagosophie hat dieses fragmentarische Kapitel abgeschlossen.

Setzen wir auf Zeitgenossen, die sich für auf den PUNKT gebrachte Teilwahrheiten entschieden haben. Das wären die wahren HELDEN!

Staffel 6 (105)/ 16

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 15 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der Sinn im Unsinn

In diesem Fragment aus dem Denkcluster müsste eigentlich ein tieferer Sinn auf uns zukommen, aber wie soll man ihn nur einfangen?

Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird diejenige sein, die sich als erste aufdrängt. Seit Menschengedenken besteht eine Nachfrage nach dem Inhalt des Seins. Alle, die danach suchen, haben im uneigentlichen Gehalt des Begriffes nicht immer die Illusion, ihr Leben einigermaßen sinnvoll gelebt zu haben! Der Begriff SINN scheint sowohl subjektiv wie auch relativ gleich unbefriedigend zu sein. Wer nicht verzweifeln möchte, sollte jede weitere Sinnsuche einstellen.

Wechsel des Betrachtungswinkels: Das Allumfassende der Großen Wahrheit gilt im Ganzen und überhaupt als der absolute Sinn des Lebens. Ausschließlich die Wahrheit kennt die vollkommene Bedeutung von derartigen Abstrakta und lässt kein Hinterfragen zu. Wer wollte sich anmaßen, die Geschicke des Absoluten zu kritisieren? Außerdem ist diese Auslegung für uns Menschen unbrauchbar. Wir wollen mehr!

Das ist egal! Der Wunsch nach Konkretem gleicht jenem Gegenstand, der in seiner abhanden gekommenen Erscheinung nicht unbedingt so sein muss; jetzt, wo wir das Universum beschlossen haben.

Quatsch! Wie kommt es denn, dass der Sinn nach Abzug seines Inhaltes zwar Realität darstellt, aber in Wirklichkeit doch nicht auffindbar ist; wiewohl er aus sich heraus, aber nicht durch sich selbst besteht? Keiner weiß genau, was dies und was jenes ist. Man schwört zwar auf die kongruente Differenz zwischen den beiden Seiten einer Sache, interpretiert dann aber unterschiedlich.

Wie gesagt, das ist eh egal! Der Wunsch nach Konkretem gleicht dem Gegenstand, der in seiner abhanden gekommenen Erscheinung nicht … ah, das hatten wir schon, oder?

Wir treten auf der Stelle! Der Sinn des Lebens liegt überall dort, wo wir ihn nicht finden können. Das ist zermürbend. Der lang ersonnene Sinn scheint sich im Haufen prätentiösen Unsinns zu verkriechen. Da hat jemand einmal gesagt: Der Sinn des Lebens liege im Bau einer Mauer – wozu sie diene, sei egal – Hauptsache sie mache Sinn. Der Joker der Schöpfung beliebt zu scherzen.

Dichter, gibt es einen Sinn in deinem Leben?

Nur am Anfang und am Ende.

Zwischendrin lach’ ich mich tot.

Aber sollte ich einst sterben,

geht’s über meine Leiche nur!

 

Staffel 6 (104)/ 15

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 14 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der anmaßende Punkt

Der Punkt stellt sich selbst vor:

Was ich bin? Ein symbolisches Gebilde ohne Ausdehnung, eine Stelle, an der sich die Stränge der Schöpfung schneiden. So werde ich zum Mittelpunkt der Unendlichkeit und damit auch des Universums. Das heißt dank dieser meiner Perspektive werde ich zum eigentlichen Etwas aus dem Nichts – dort geboren und als Punkt hinter die allererste Tatsache gesetzt und zum Fixpunkt zielstrebiger Ursache bestimmt. Aus meiner Perspektive ist die Schaffung eines weiteren Etwas durch mich kein Wunder. Was bin ich doch für ein wunderbarer, märchenhafter, legendärer …  ja, was noch für ein Punkt? Gelegentlich stellt mich die Kosmologie als wunden Punkt dar, wenn ich so immens schwer, zugleich anziehend …

Stopp, Punkt! Bleibe bei deinem konventionellen Umfang und vergiss den Größenwahnsinn deiner Singularität.

Ah, wirklich? Meine Wenigkeit schließt gerne jede imposante Vorstellung ab, sei sie noch so unausgegoren in die Zukunft weisend. Obwohl damals gerade durch mich Etwas ins Sein gerutscht und das Monopol der Leere durchbrochen hat. Ja, Ich, der intelligentest denkbare Punkt, lasse durch meinen Wirkungskreis das Nichts als unglaubwürdig erscheinen. Darüber hinaus strebe ich stets die Mitte des Zentrums an, den Ort meiner permanent virtuellen Existenz.

Zu dir, einsames Individuum, ziehen ebenfalls Parallelen aus dem Fluchtpunkt deines eigenen Universums. Diese bilden die Perspektive deiner Weltanschauung und ich beschere dir die Illusion ausgedehnter Sicht! Weiter hinaus kannst du nicht flüchten!

Punctum locutum causa finita? Wohl eher ein Streik der Klarheit. Warum? Der Fluchtpunkt lauert am Ende der Parallelen als seinem Zufluchtsort. Aber wenn sich die Parallelen in der Unendlichkeit begegnen, reflektiert sich dort, irgendwo im Nirgendwo, die umgekehrte Perspektive als Spiegelung. Es entfaltet sich (vollkommen gleich, ob perspektivisch korrekt oder unberechenbar verkehrt rum) ein siamesischer Zwilling des Vorhandenen und es offenbart sich die Unaufhörlichkeit der wahren Endlosigkeit. Von seiner Position in neuer Situation aus betrachtet erscheint der Fluchtpunkt in anderer Proportion, der des Goldenen Schnittes. Was der ideale Schnitt ist, der Durch- und Durchschnitt überhaupt!

Er bleibt als ästhetisch getarnte Ursache unansehnlich, da allenfalls vorbildliche Mittelmäßigkeit entsteht. Was bleibt, ist eine famose Dekoration für durchschnittliche Delirien. Auch deswegen, weil der vom eingebildeten Punkt gesetzte Goldene Schnitt perfekt und deswegen so langweilig ist.

Eigentlich verkörpert unser Punkt die reinste Buthaphorie16.

 

Staffel 6 (103)/ 14

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 13 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Mythos kontra Schwachsinn

Wir finden uns mehr oder weniger damit ab, dass wir aus dem Etwas stammen, das aus dem Nichts entstand. Anstandshalber sollten wir dem Produkt mehr Aufmerksamkeit schenken: Welche Stilblüten hat die Schöpfung dem Universum beschert?

Diese Frage betrifft einen weit größeren Raum als die Lichtgeschwindigkeit ausfüllen könnte. Notgedrungen müssen wir unsere Sicht einschränken – bis zum eigenen Horizont. Auf der Strecke zwischen uns und unserer so verkürzten Weitsicht bäumen sich Menschen auf und tummeln sich Schaulustige. Werte bleiben links liegen.

In der schillernden Gesamtpracht geht das Diskrete zwar unter, es kennzeichnet aber keinesfalls den Untergang des Individuellen. Das unbedingte Zeichen für rätselhafte Eigenheit ergänzt das Erscheinungsbild wuchernden Bestehens.

Gottlob steht der Welt jedoch ein großzügiges Angebot an Charakteren zur Verfügung.

Reichlich Gebrauch davon machen viele – bevorzugt der Fantasie entsprungene Geschöpfe. Nicht wenige aus dieser Produktion bemühen sich um solch gute Taten, die einer kontraproduktiven Realität wohl kaum in den Kram passen würden. Diese Gestalten zählen zu den fiktiven Kreationen der Menschheit – vorwiegend für Notzeiten: nämlich die Helden!

Ein Held entspricht der Definition dessen, was in der jeweiligen Kultur als vortrefflich gilt. Helden, meist verklärt und idealisiert, sind saubere Charaktere, moralisch unantastbar, gesellschaftlich tadellos und haben deswegen wohl niemals wirklich existiert – im Gegensatz zu den Katastrophen, die sie abwenden oder bewältigen sollten. Wenn es brennt, hofft und wartet man auf Helden – man selbst kennt sich ja mit Feuerlöschern nicht so aus.

Je imaginärer der virtuelle Retter aus der Not, desto mehr Werte besitzt die ihm zugeschriebene Echtheit. Zumindest im Reich der Fantasie gibt es Menschen, die schwer in Ordnung zu sein scheinen!

 

Staffel 6 (103)/ 14

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 12 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Ungebundene Schlafstörungen

Geträumt und Seltsames wachgerüttelt!

Im Traum kann die Logik nur bis zu einem gewissen Grad logisch sein, da sie im Schlaf das Absurde weckt. Denn während der Nacht kommt täglich vor: Während sich das Bewusstsein zur Ruhe zurückzieht, schlagen gespeicherte Dateien Kapriolen. Darüber hinaus nisten in den ad absurdum geführten Bereichen Störungen, Dämonen, Vorahnungen, Peinlichkeiten, Täuschungen und sonstige Erscheinungen aus dem Archiv des Unterbewusstseins. Man weiß nicht mehr, wo es besser ist: Diesseits der Illusion oder jenseits der Halluzination? Wer kann schon behaupten, was wirklich ist und was real?

Im Traum wird das Sein sowohl fremdgeleitet wie auch in die Unberechenbarkeit entführt. Im Schlaf dämmert die Befürchtung, dass die Realität sich für das ausgibt, was nicht wirklich ist und strebt doch realexistierende Wirklichkeit an – geht schnarchend mit vorgetragener Entscheidungswut einher und kennt keine Rücksicht auf den Verlust von Tatsachen. Dösende Wahrheit degeneriert zu wertlosem Abfall und wird zu einer kaum mit dem Vorhandensein kompatiblen Nebensache. Zum Glück finden derartige Szenarien niemals grundlos statt – irgendwo schläft eine Voraussetzung mit. Sie ist zugleich der Anreiz für Spekulationen.

So liegt beispielsweise der abstruse Gedanke nicht fern, dass das Etwas bloß eine Schlafstörung des Nichts sei. Ja, eigentlich könnte das albträumende Nichts das wirkliche Etwas sein, aus dem bloß nichts hervorkommt. Oder andersrum – NICHTS SEI und ETWAS NICHT! Katastrophe! Einmal vom Urknall wachgerüttelt wird wohl dieses Nichts als erstes bemüht sein, die Schlafstörung abzuschütteln, das brodelnde Universum zu verdrängen oder zu stornieren, jegliche Schöpfung zu tilgen, um wahres ETWAS darzustellen! Die eigentliche NULL sei etwas, nämlich nichts, sagt Nichts! Sagt nichts, Leute!

Allein die Vorstellung, dass wir nichts oder gar nicht sind, kann in schwere Depressionen ausarten!

Könnte unser Sein auf substanzlosen Ruhestörungen beruhen?

Es muss doch irgendwie zu verdrängen sein, wenn die Gewissheit, nicht zu sein, nur während Schlafpannen das Unterbewusstsein belastet! Aber immer wach auszuharren, ist auch keine Erlösung.

Soweit zu den demütigenden Auswirkungen eines nihilistischen Albtraums.

Staffel 6 (101)/ 12

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 11 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Wankende Zuversicht

Eine imposante Quintessenz: Man kann sich die Suche nach der absoluten Wahrheit sparen, weil sie nicht zu finden ist. Auch wäre der Zeitaufwand hierfür nicht zu rechtfertigen – schon deswegen nicht, weil diese ehrbare Monstrosität in aller Ewigkeit fristlos ist. Darüber hinaus ist die absolute Wahrheit in ihrer Dimension unfassbar und somit unverständlich. Sie ist weit unendlicher als die eigene Endlosigkeit und doch ewiger, als das entsprechende Abstraktum eine Ahnung davon zu liefern imstande wäre. Der Begriff selbst leidet an seiner Unvorstellbarkeit.

Also gut, diese Superlative ist nicht zu fassen! Weil zu enorm!

Das Wissen über das Allumfassende kann niemals Vollkommenheit erreichen, da jedes gelöste Rätsel viele neue offenbart. Das braucht seine Zeit. Die Zeit ist wiederum nur eine vorübergehende Gewohnheit, in der immer wieder Teilwahrheiten entstehen und im Zuge der Dauer verglühen. Vermutlich durch Entsorgung abgestandener Weisheiten wird eine verhängnisvolle Trägheit des Verstandes präventiv vermieden.

Wer weiß, ob die Evolution sich einen Nutzen davon versprochen hat?

(Jedenfalls übergoss die Sintflut damals die Menschheit, gemäß der Feststellung eines alten Griechen, dass alles fließt. Demnach fließt eine Sintflut, solange alles fließt. Wäre da ein Zusammenhang zu ermitteln, könnte man obiges Beispiel als eine paradigmatische Teilwahrheit werten. Zu spät! In den seitdem vergangenen Millennien haben sich, leider, wertvolle Gedankenfolgen verjährt.)

Zu den Teilwahrheiten heute zählt der Fluss der Schlauheiten zur Hebung der Qualität des Bewusstseins. Stillstand ist nicht salonfähig. Wenn der Verstand sich rührt, dann stellt er Differenzen fest. Eigentlich ist die Verschiedenheit eine treibende Kraft, ein lebhafter Zustand, der Vielfalt und Evolution ermöglicht. Die Schöpfung hat jedem das Recht, ungleich zu sein, mit auf dem jeweils individuellen Weg gegeben. Insofern führen Menschheitserkenntnisse zwar nicht zur absoluten Wahrheit, wohl aber sporadisch zu weiteren Teilen ihrer imaginären Ganzheit.

Mahnendes Szenario aus der kosmischen Tiefkühltruhe:

Bewegungslosigkeit da und dort, Stillstand und Hemmungen überall. Wo auch immer Stagnation am Werk ist – das wirkt sich im Falle des Eintretens äußerst negativ auf die Vitalität des Seins … und … schrecklich … Moment! Im Angemessenen unter der Sonne geht es auch fließender, wie wir festgestellt haben! Aus melancholischer Laune heraus soll keine konjunktive Quintessenz den Verstand zusammenfassend trüben! Schließlich wollen wir nicht in dilettantische Estagonie15 verfallen!

Staffel 6 (100)/ 11

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 10 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Die Plötzlichkeit aus dem Nichts

Wieder einmal – NICHTS!

Diese Substanzlosigkeit ist mit schwammigen Vorstellungen von einem Bewusstsein restlos überfordert, auf sich selbst reduziert und somit als Dasein theoretisch kompromittiert. Will heißen NICHTS ist eine gedankenlose Leere.

Von nichts kommt nichts – denkt das Volk – allerdings nur, solange diese Schlussfolgerung durch Politiker nicht in Frage gestellt wird. Wir wollen uns zwar nicht auf deren Niveau herablassen, denn wir behaupten auch ständig, das Nichts sei trächtig: Typisches Beispiel für gleiche, dennoch nicht kongruente Inhalte.

Wieder einmal – JETZT!

Mit einem Feuerwerk – jedenfalls während des großen Knalls, wo der Fluchtpunkt einer kosmischen Perspektive gesetzt wurde – begann unsere Vergangenheit. Hier aber, wahrlich an dieser Stelle und gerade jetzt, streckt sich die Gegenwart in zeitgenössischem Dasein aus. JETZT stellt den alles zu vergegenwärtigen bemühten Zeitpunkt dar, den es beinahe nicht gibt. Die Brücke zwischen Gewesenem und Werdendem scheint ein hastiges JETZT zu sein – ein Kompromiss beharrlicher Dringlichkeit.

 Hier kommen wir auf den GEDANKEN!

Endlos im Einsatz überschlägt sich das JETZT gleich nach seinem Auftauchen, um zähe Anhäufungen von Gegenwart zu unterbinden. Ein jeweiliges Jetzt schlüpft als Simulation von Fortsetzung, trivial und ohne Dauer, dennoch immer im Mittelpunkt der endlosen Kette chronischer Augenblicke. Und freilich ist das Zentrum des Bewusstseins und somit des DENKENS – das JETZT! Wie das?

Ein im Äther eigener Weltanschauung aufkeimender Gedanke schwillt an, gart und reift, zündet aber nicht etwa davor oder danach, sondern simultan im eigenen JETZT. Der abrupte Punkt fixiert den Geistesblitz. Demgemäß manifestiert sich die kontinuierliche Gehirnarbeit durch einen Reigen umgehender Zäsurpunkte.

Der Schlussfolgerung zuliebe, holen wir aus:

Die Zeit stellt eine Ewigkeit aus der Sicht eines Augenblickes dar.

Der Augenblick selbst kann eine Ewigkeit dauern.

Mit sich selbst verglichen dauert die Ewigkeit nur einen Augenblick.

Jeder Augenblick ist für einen Moment im Mittelpunkt.

Ergo zündet Intelligenz nicht im NIRGENDWO sondern im Mittelpunkt.

Der menschliche Geist erblüht im Durchschnitt, irgendwo zwischen schleichender Langwierigkeit und knallharter Spontanität. Schließlich wäre ein zögerlicher Gedanke die reinste Verschwendung von Plötzlichkeit!

 

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