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Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 7

Konfusion?

Menschen sind überwiegend fehlbare Wesen.

Worin unterscheiden sich Täuschungen und Lügen von Irrtümern? Nun, Irrtümer unterlaufen uns, solange wir der Täuschung Glauben schenken oder sie als der Wahrheit nicht würdig erachten, sodass sich inzwischen die Konfusion auswachsen kann. Die gilt es zu überwinden; denn kommen weitere gravierende Fehler hinzu, bricht Panik aus oder es passiert Schlimmeres. Fehler sind zwar menschlich, doch es kommt darauf an, Irrtümer einzugestehen und auszubügeln. Das fällt oft schwer, weil das Zugeben eines Fehlurteils oder Versagens als Niederlage empfunden wird.

Beispiel: Ein Boss verursacht einen groben Schnitzer.

Sein Unbehagen führt nur kurz zu seelischem Durcheinander, weil es seine falsche Entscheidung anprangert und diffamiert. Folglich widerspricht sich der Boss, lügt, verneint, beschuldigt, fleht, beschimpft … konfus, oder?

In seiner gestressten Lage und aus Angst um seine Position mobilisiert er dann aber ein Konglomerat aus Herrschsucht, Arroganz, Eitelkeit und Wurstigkeit. Dahinter verbergen sich Strategien, um einerseits vom Irrtum abzulenken und andrerseits über Handlanger die Zweifler, Zeugen und Kritiker auszuschalten. Bestärkt durch kumpelhafte Globalisierter, die prinzipiell behaupten: Irrtum ausgeschlossen, skandieren solche Massenkarnickel „Jubel, Trubel, Heiterkeit“, weil sie stets auf tonangebende, protzige Märchenerzähler scharf sind. Diesen Versagern bleibt die Konfusion treu.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 6

Konfusion?

Konfusion kann sich zu einem mehrdimensionalen, internationalen Phänomen auswachsen. Sie verhält sich wie ein Chamäleon. (Vor welcher Obrigkeit auch immer sie buckelt: die herrschende Farbgebung gibt den Ton an.) Soweit zur Metaphorik.

Mit confundere haben die Lateiner die Wurzel des Übels bezeichnet. Confusus, confusio sind die Blüten des Verbes, aus denen der uns sattsam bekannte Begriff Konfusion entstanden ist.

In der Bibel wird die Konfusion als Tohuwabohu bezeichnet, hierzulande ist sie als Kuddelmuddel geläufig, weiter östlich nennt man sie sumatocha, weit im Westen hört sie auf muddle jumble und im nahen Süden begegnet sie uns als guazzabuglio.

In Kreuzworträtseln wird der Begriff sogar mit abstrus in Zusammenhang gebracht und der ganze Wirrwarr dieser Welt erscheint in ausgemachter Uneinigkeit als KONFUSION.

Schließlich erscheint uns das Ganze – ziemlich banal – als buntes Durcheinander unter dem Vorsitz eines stets die Farbe wechselnden Chamäleons, ausgestattet mit einer gehörigen Portion minderwertiger Farblosigkeit.

Die vorläufige Bilanz: Konfusion ist verkitschter Tumult in jeweils anderer, dennoch konstant geschmackloser Buntheit.

Nur ganz im Norden fehlt zur Entfaltung des verunstalteten Regenbogens eine geeignete Umgebung. Begriffe finden sich dort schwarz auf weiß ins Eis geprägt, verwässert in untypischen Kaskaden. Die ansässigen Geschöpfe reagieren zuweilen hysterisch, ihr mangelhaftes Begreifen missbilligend. Offensichtlich graut es den Weißbären gehörig! Sie sind konfus, weil sie die Agonie des dahinschmelzenden Weiß spüren.

Denn dafür fehlt ihnen jeder Begriff.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 5

Konfusion?

Folgendes berichten Augenzeugen, die an einer Konfusion teilgenommen haben: Es gibt eifrige Momente, in denen sich Menschen der Erdanziehung widersetzen und im Orbit um eine Konfusion kreisen. Manche fliegen in verkehrter Richtung und verursachen in der üblichen Anordnung der Himmelskörper ein gehöriges Kreuz und Quer. Doch wäre es ungerecht, die Verantwortung für die Geschehnisse zwischen den Sternen den Menschen zuzuschieben, wenn sie begriffsgeschwächt um eine Konfusion zirkulieren.

Alles ist Ansichtssache. Auch die Konfusion. Jeder guckt sie sich an und hat damit seinen Anteil an dem Zirkus – diesem von Menschen geschaffenen Konstrukt.

Deswegen sollte man beim Betreten des statisch so Labilen achtgeben. Also, nicht aus der Reihe tanzen, sonst wird man vom Rennen ausgeschlossen. Erst recht konfus wird es für diejenigen, die individuelle Orbits bevorzugen.

Nebenbei stellt sich die schüchterne Frage: Wozu ist eigentlich eine Konfusion gut? Ihretwegen fliegen wir doch kopflos um sie herum; wobei ihre Anziehungskraft verhindert, dass wir uns auf uns selbst besinnen.

Einige anständige Sterne bemühen sich zwar ehrenamtlich um ein intaktes Universum, doch lauern dort die berüchtigten Schwarzen Löcher, jene Erben der monströsesten Konfusion aller Zeiten, des Urknalls, der unser Urvater und zugleich Stiefmutter des Zeitgeistes ist.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 4

Konfusion?

In der Amtszeit mancher Regierungen wird die Konfusion gar nicht mehr angewandt. Sie ist kaum noch nötig, denn die Zustände im umzäunten Land sind dermaßen verworren, dass das herrschende Drunter und Drüber sich aus eigener Kraft fortsetzt. Dort findet eine Antikonfusionifizierung des Durcheinanders statt, auch bekannt als Ignoranz. Krönt jedoch ein gelegentlicher Zwischenfall die Zweifel, nennt man das Inzidenz.

Inzidenzen, die Zufälle vortäuschen, gelten als nicht erwähnenswerte Zwischenfälle, die laut zu diskutieren daher nicht zu empfehlen ist.

So wurde beispielsweise vor kurzem ein Parteifunktionär in einer Bibliothek aus der Welt geschafft. Kaum jemand hätte dort so jemanden in Bücher vertieft vermutet. Sofort nach dem Malheur durften, wie dortzulande üblich, nur noch gesiebte Informationen verbreitet werden!

Minikonfusionen, so blasphemisch sie sein mögen, werden bestenfalls stillschweigend ins Berüchtigte verbannt. Trotzdem häufen sie sich kontinuierlich an, und kein verschämtes Lächeln kann die allgemeine Verunsicherung verbergen.

Allerdings halten die genannten Regierenden beharrlich und hartnäckig an ihrem Regierungsanspruch fest. Im Unisono offizieller Verlautbarungen und in Ermangelung liberaler Tendenzen werden Konfusionen dortzulande prinzipiell nicht zugelassen, gelten notorisch als nicht vorhanden!

Was ein Durcheinander auf Dauer sichert.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 3

Konfusion?

Solange eine Konfusion noch nicht zu erkennen ist, ist sie noch ohne Wirkung. Die potentielle Kundschaft von Sensationen wähnt sich in schadenfroher Erwartung auf mehr. Im Embryonalzustand zeigt sich Verwirrung meist niedlich, einem Mäuschen gleich, das ein paar angenagte Erstausgaben um die Ecke bringt.

Was soll’s? Wer liest schon die alten Weisheiten?

Richtig konfus wird es erst, wenn eine freche Maus einem Elefanten hinterherrennt. Paparazzi begeben sich in die Startlöcher. Dickhäuter fliehen panisch in höhere Etagen und Menschen erschrecken vor der Blasphemie. Staatsarchiv verwüstet! Die Presse bedauert die abhandengekommenen Tatsachen. Dafür erfahren wir mehr über die Lage in Taka-Tuka-Land.

Mitunter wird das Denken in Mitleidenschaft gezogen. Was halbwegs schon gedacht, prallt von der diffusen Mauer rund um die Verwirrung ab. Dahinter lauert die – mittlerweile ausgewachsene – Konfusion. Niemand ist sich sicher, was eigentlich dort los ist – gar wie und warum. An Lesen nicht gewöhnt, kann kaum jemand etwas darüber nachschlagen. Doch die Neugier ist stärker als die Heimsuchung. Der Bierernst hat das Sagen.

Man rennt zur Konfusion, überholt einander, stolpert, überwindet die Fliehkraft und andere Naturgesetze und strebt dem Ort des Tumults zu. Sensation! Aus gewisser Distanz wagt man, das verwünschte Gebilde anzuglotzen und erschafft dabei zur Fama werdende Gerüchte aus der Ferne des Verstandes. Abstand hin oder her, man ist hoffnungslos der Unfassbarkeit ausgeliefert.

Schließlich sickert etwas durch und jeder behauptet etwas Anderes über das Unbeschreibliche. Die Konfusion triumphiert auf ihrem chaotischen Unterbau und verbleibt – bis auf weiteres – mit freundlichen Grüßen aus dem Nichtsundwiedernichts, als ob sie wirklich sei.

Leider geistert so etwas nicht ausschließlich durch Morpheus’ Reich.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 2

Konfusion?

Sie ist doch kein Grund zur Aufregung! Zumindest vorläufig nicht.

Eine Konfusion stiftet bloß Verworrenheit bei diversen Themen, z. B.: „Wie man in einem Heuhaufen eine nichtvorhandene Stecknadel finden kann“. (besser – weil es um ein Thema geht: „Auffinden einer nichtvorhandenen Stecknadel in einem Heuhaufen.“) Was hier Verwirrung verursacht: Warum eine im Heuhaufen nicht hinterlegte Stecknadel auffindbar sein soll, obwohl doch das Sprichwort besagt, die Nadel gäbe es nur deshalb, damit man sie nicht finde.

Wie aus dem Nichts, haben wir es plötzlich mit einer Störung zu tun. Das Nichts veranschaulicht hier, dass sogar ein Haufen von Kompetenzen nicht imstande ist, besserwisserisch aus dem Nichtvorhandensein irgendetwas zu retten. Eine notgedrungen auftretende Konfusion mischt sich ein und bietet eine Unmöglichkeit an. Dann wird es erst recht konfus. Ein undefiniertes Getue führt bis zum Überdruss einen Reigen der Verwirrung auf. Gefolgt vom allmählichen Anzweifeln der Trugbilder, welche die Existenz der Nadel verschleiern.

Demnach wird fälschlicherweise angenommen, dass Strohhalme einer Errettung aus dem Heuhaufen ausreichend dienen könnten. Wobei es am feuchten Element fehlt, um an den Halmen zu saugen.

Konfusion scheint eine Vertiefung der Unkenntnis zu sein.

Auch wenn man nicht gleich behaupten mag, das wäre Schwachsinn, scheint es den meisten so, als ob in der Nadel der Wurm stecke. Gemeint sind all jene, die diese Unberechenbarkeit auf die Spitzfindigkeit treiben, dass die nichtvorhandene Nadel wurmstichig sei! Jedenfalls wird kurzerhand angenommen, dies sei wahrscheinlicher als das, was verbohrte Volksweisheiten uns vorgeben.

Insofern verlässt sich die Mehrheit auf wegweisende Strohmänner in Nadelstreifen. Und der Volksmund drischt weiterhin spitze Sprüche.

Im Garten der Konfusion

Blickwinkel 1

Konfusion?

Bloß nicht aufmachen, wenn so eine an die Tür klopft! Aber selber schuld, wenn das Schlüsselloch die Neugier befriedigt. Das, was man aber nicht wirklich sieht, ist die ins Auge stechende Unwirklichkeit. Getarnt unter dem Deckmantel Konfusion versperrt sie die Tür zum Verstand und kennt in der so usurpierten Schlüsselposition kein Wenn und Aber. Sie bringt geordnete Verhältnisse gehörig durcheinander, wildert draußen und drinnen, flicht das Grausen zum Gordischen Knoten, zerwühlt die Bettwäsche … doch schlaft ruhig weiter, liebe Kinder, ist ja nur ein Traum.

Um eine Vorstellung von der Konfusion zu bekommen, fangen wir am besten mit einer Traumdeutung an: Manche verfallen einer ihrer Erscheinungen, andere träumen sie quer oder seitenverkehrt. Von welcher Seite auch immer die Chimäre ins Auge gefasst wird: es kommt zu Schlafpannen. Viele büßen wegen des getrübten Blicks auf die verworrene Substanz ihre Bettruhe ein und fallen in Albträume mit Traumsequenzen von unbestimmter Dauer beim in geistlosem Herumirren um konfuse Eruptionen. Aus eigener Kraft ist da kaum noch zu entscheiden, was wahr ist. Was hat die Konfusion den Tatsachen angetan, dass sie als nebulöse Schwaden empfunden werden? Albträume sind per se unberechenbare Konfusionen und schließen ein Bewusstwerden des eigenen Unterbewussten aus. Konfusionen lassen sich nicht voneinander unterscheiden, einzelne davon erst recht nicht als aktuell spezifizieren, definieren oder vorab aussondern.

An Betrachtungswinkeln herrscht kein Mangel, allerdings fehlen aus der Ferne die signifikanten Differenzen, um spezifische Winkel zu bestimmen.

Wach auf, Kleiner, das muss ein böser Traum gewesen sein, den dir deine Triebe beschert haben … pass auf, Einschlafen ist gut, doch Aufwachen ist besser! Im wachen Zustand träumt man nicht von Konfusionen, weil sie Wirklichkeit sind und an deinem Schlüsselbund hängen.

Staffel 6 (107)/ 17

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 16 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Ah, das Universum

Schluss! Bisher gelang kein zufriedenstellendes Etwas, doch hoffen wir in der nächsten Generation zumindest das Nichts zu vollbringen. Was nicht sonderlich schwierig sein dürfte. Doch es geht um mehr.

Anhand vorhandener Fragmente an Mutmaßungen kann schließlich dem lückenhaft umrissenen Etwas, als dem bisherigen Ergebnis unserer Forschung, ein Name verliehen werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Benennen wir das epochale Ereignis und sei es auch nur für die Akten; damit das Gefühl aufkommt, etwas festgehalten zu haben. Das Mysteriöse bei dem ganzen Getue bleibt nach wie vor ein Rätsel!

Wie soll nun die Brut aus dem anonymen Ei heißen? Vorerst ist Etwas weder ein Er, noch eine Sie. Der Aggregatzustand ist verwirrend und für starre Hypothesen unbrauchbar. Dennoch sollte eine angemessene Würdigung der untadeligen Entfaltung – eine solide Kennzeichnung des ALLumfassenden Wunders – erfolgen. Kaum zu vertreten wäre es, dem Sprössling einen Kosenamen ohne Begleitung von emotionellen Temperaturschwankungen zu verpassen. Damit kann man einem Universum17 nicht hinterherlaufen.

Heureka: Universum! Ein DAS! Im Anfang war das DAS! Jawohl, als ein entsprechendes ETWAS ohne Stammbaum und mit haarsträubender Biographie, als ein Kuriosum, das sich mit Blitz und Riesenknall aus der Null materialisierte.

So, jetzt haben wir es … das Universum – banal, aber die Tatsache par excellence – die Ursache, derentwegen wir dieses Sternpanorama genießen dürfen! Wenn wir von Anfang an geahnt hätten, dass das Naheliegende das Endergebnis sein würde, hätten wir uns die Mühe sparen können, so weit in die Ferne zu schielen. Für Ausflüge ins Jenseits unserer limitierten Sicht sind wir sowieso nicht gerüstet. Ein einfaches Universum müsste für so Seiendes vorläufig ausreichen. Vorläufig ist gut gesagt, denn das ETWAS hat just das Nirgendwo verlassen und ist nun in diesem unserem Universum angekommen! Alles Weitere ist weiter weg und das noch weiter Entfernte zählt nicht. Doch ganz so einfach ist das mit dem Leben selbst nicht. Es bedeutet Verstrickungen! Das Recht auf Sein hat sich im Zeitlauf verkompliziert! Im Sinnenreiz der Existenz brachte die Schöpfung als zwangsläufige Begleiter hervor: Zeit, Wahrheit, Realität und den ganzen Rest. Sie alle sind zwar verrufen! suspekt! unbefriedigend! berüchtigt! Aber für den Umgang miteinander haben wir keine anderen!

Schließen wir mit einem Schlusswort:

„Möge sich die ZEIT auf ewig dahinschleppen und gelegentlich mit Plötzlichkeit überraschen – wir verlassen uns darauf, dass ETWAS niemals vergeht!

Das NICHTS kann uns den Buckel runterrutschen – es juckt uns nicht;

ein JETZT, das gleichzeitig kommt und geht, wirkt nicht sehr seriös;

REALITÄT und WIRKLICHKEIT, diese Handlanger der WAHRHEIT, sollen unseretwegen die Philosophie in Permanenz strapazieren. Die Bagosophie hat dieses fragmentarische Kapitel abgeschlossen.

Setzen wir auf Zeitgenossen, die sich für auf den PUNKT gebrachte Teilwahrheiten entschieden haben. Das wären die wahren HELDEN!

Staffel 6 (105)/ 16

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 15 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der Sinn im Unsinn

In diesem Fragment aus dem Denkcluster müsste eigentlich ein tieferer Sinn auf uns zukommen, aber wie soll man ihn nur einfangen?

Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird diejenige sein, die sich als erste aufdrängt. Seit Menschengedenken besteht eine Nachfrage nach dem Inhalt des Seins. Alle, die danach suchen, haben im uneigentlichen Gehalt des Begriffes nicht immer die Illusion, ihr Leben einigermaßen sinnvoll gelebt zu haben! Der Begriff SINN scheint sowohl subjektiv wie auch relativ gleich unbefriedigend zu sein. Wer nicht verzweifeln möchte, sollte jede weitere Sinnsuche einstellen.

Wechsel des Betrachtungswinkels: Das Allumfassende der Großen Wahrheit gilt im Ganzen und überhaupt als der absolute Sinn des Lebens. Ausschließlich die Wahrheit kennt die vollkommene Bedeutung von derartigen Abstrakta und lässt kein Hinterfragen zu. Wer wollte sich anmaßen, die Geschicke des Absoluten zu kritisieren? Außerdem ist diese Auslegung für uns Menschen unbrauchbar. Wir wollen mehr!

Das ist egal! Der Wunsch nach Konkretem gleicht jenem Gegenstand, der in seiner abhanden gekommenen Erscheinung nicht unbedingt so sein muss; jetzt, wo wir das Universum beschlossen haben.

Quatsch! Wie kommt es denn, dass der Sinn nach Abzug seines Inhaltes zwar Realität darstellt, aber in Wirklichkeit doch nicht auffindbar ist; wiewohl er aus sich heraus, aber nicht durch sich selbst besteht? Keiner weiß genau, was dies und was jenes ist. Man schwört zwar auf die kongruente Differenz zwischen den beiden Seiten einer Sache, interpretiert dann aber unterschiedlich.

Wie gesagt, das ist eh egal! Der Wunsch nach Konkretem gleicht dem Gegenstand, der in seiner abhanden gekommenen Erscheinung nicht … ah, das hatten wir schon, oder?

Wir treten auf der Stelle! Der Sinn des Lebens liegt überall dort, wo wir ihn nicht finden können. Das ist zermürbend. Der lang ersonnene Sinn scheint sich im Haufen prätentiösen Unsinns zu verkriechen. Da hat jemand einmal gesagt: Der Sinn des Lebens liege im Bau einer Mauer – wozu sie diene, sei egal – Hauptsache sie mache Sinn. Der Joker der Schöpfung beliebt zu scherzen.

Dichter, gibt es einen Sinn in deinem Leben?

Nur am Anfang und am Ende.

Zwischendrin lach’ ich mich tot.

Aber sollte ich einst sterben,

geht’s über meine Leiche nur!

 

Staffel 6 (104)/ 15

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 14 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der anmaßende Punkt

Der Punkt stellt sich selbst vor:

Was ich bin? Ein symbolisches Gebilde ohne Ausdehnung, eine Stelle, an der sich die Stränge der Schöpfung schneiden. So werde ich zum Mittelpunkt der Unendlichkeit und damit auch des Universums. Das heißt dank dieser meiner Perspektive werde ich zum eigentlichen Etwas aus dem Nichts – dort geboren und als Punkt hinter die allererste Tatsache gesetzt und zum Fixpunkt zielstrebiger Ursache bestimmt. Aus meiner Perspektive ist die Schaffung eines weiteren Etwas durch mich kein Wunder. Was bin ich doch für ein wunderbarer, märchenhafter, legendärer …  ja, was noch für ein Punkt? Gelegentlich stellt mich die Kosmologie als wunden Punkt dar, wenn ich so immens schwer, zugleich anziehend …

Stopp, Punkt! Bleibe bei deinem konventionellen Umfang und vergiss den Größenwahnsinn deiner Singularität.

Ah, wirklich? Meine Wenigkeit schließt gerne jede imposante Vorstellung ab, sei sie noch so unausgegoren in die Zukunft weisend. Obwohl damals gerade durch mich Etwas ins Sein gerutscht und das Monopol der Leere durchbrochen hat. Ja, Ich, der intelligentest denkbare Punkt, lasse durch meinen Wirkungskreis das Nichts als unglaubwürdig erscheinen. Darüber hinaus strebe ich stets die Mitte des Zentrums an, den Ort meiner permanent virtuellen Existenz.

Zu dir, einsames Individuum, ziehen ebenfalls Parallelen aus dem Fluchtpunkt deines eigenen Universums. Diese bilden die Perspektive deiner Weltanschauung und ich beschere dir die Illusion ausgedehnter Sicht! Weiter hinaus kannst du nicht flüchten!

Punctum locutum causa finita? Wohl eher ein Streik der Klarheit. Warum? Der Fluchtpunkt lauert am Ende der Parallelen als seinem Zufluchtsort. Aber wenn sich die Parallelen in der Unendlichkeit begegnen, reflektiert sich dort, irgendwo im Nirgendwo, die umgekehrte Perspektive als Spiegelung. Es entfaltet sich (vollkommen gleich, ob perspektivisch korrekt oder unberechenbar verkehrt rum) ein siamesischer Zwilling des Vorhandenen und es offenbart sich die Unaufhörlichkeit der wahren Endlosigkeit. Von seiner Position in neuer Situation aus betrachtet erscheint der Fluchtpunkt in anderer Proportion, der des Goldenen Schnittes. Was der ideale Schnitt ist, der Durch- und Durchschnitt überhaupt!

Er bleibt als ästhetisch getarnte Ursache unansehnlich, da allenfalls vorbildliche Mittelmäßigkeit entsteht. Was bleibt, ist eine famose Dekoration für durchschnittliche Delirien. Auch deswegen, weil der vom eingebildeten Punkt gesetzte Goldene Schnitt perfekt und deswegen so langweilig ist.

Eigentlich verkörpert unser Punkt die reinste Buthaphorie16.

 

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