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Staffel 6 / 2 / 91

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 1 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der Fluchtpunkt des Seins

Die Null der Realität, das Sonderangebot spontaner Kosmogonie im nihilistischen Teil der Wirklichkeit – sehr wahrscheinlich ein Schnäppchen aus bornierter Zeitrichtung von minimaler Dauer als Vollstreckung ALLumfassender Leere. Es machen sich breit: Spekulationen um herabgesetzte Existenzen aus dem kostengünstigen NICHTS, favorisiert von einer obdachlosen Null. Es sei denn, die Geburt der langen Kette des Seins wäre eingeleitet worden von einer angereicherten Quantenfluktuation des Vakuums.

Wobei klar sein dürfte: Keine Wirkung ohne Ursache.

Was aber, wenn jene aus der unendlichen Reihe vorangehender Ursachen stammte, von denen jede die nächste erwirkte? Dann müsste die allererste Ursache sich zwangsläufig selbst verursacht haben – und zwar im Nichtvorhandenen! Quelle der Ursachen des Seins scheint folglich eine vollkommene Leere mit automatisch entsprossener Perspektive zu sein. Wenn schon keine potente Schöpfung überzeugen kann, ist doch zumindest die Geburt des Paradoxons zu argwöhnen – aus Nichts, Etwas! Als Alternative zum „Großen Umstand“ in diesen Auslegungen ist eine in Widersinn verstrickte Nachkommenschaft zwar reichlich belegt, sie muss wegen mangelhafter Logik aber lückenhaft bleiben.

Allein die Behauptung, das Nichts sei trächtig, setzt keine unterstützende Ursache – gar eine Tatsache – voraus, so dass noch lange nicht geklärt werden kann, wovon hier eigentlich die Rede ist. Wir werden uns wohl unter diversen Blickwinkeln im Wesentlichen ständig wiederholen müssen, um ein skeptisch betrachtetes Wunder mit bagonal2-fundierten Fakten nachdrücklich von Zweifeln zu entlasten. WIE, WAS, WARUM ist immerfort nachzufragen, wenn die Antworten auf unschlüssige Ursachen seltsame Wirkungen enthüllen.

Aus dem Buch „Die Trächtigkeit des Nichts“

Staffel 6 / 1 / 90

(Protolog)

Bei allem Verständnis: Die Welt ist noch immer voller Rätsel!

Zahlreiche Erklärungen versuchen, sich auf dem weiten Feld der Wahrscheinlichkeiten zu profilieren. Dabei wird meistens über den Ursprung von Etwas aus dem Nichts gerätselt. Doch weilen darunter epochale Konstrukte, die den Bedarf an Gewissheit mit Begriffen bestechen.

„Das Weltall hat Quantencharakter“

„Im Anfang war das unendlich vollkommene Wesen“

„Der Kosmos ist ein Gewebe aus mathematischen Strukturen“

„Die Existenz verdankt ihr Sein einem paradoxen Zufall im Nichtsein“

„Die Entstehung ist kryptogen“

Und so weiter und immer fort wird nach dem Heiligen Gral, nach der allumfassenden Weltformel oder überhaupt nach etwas gesucht; nämlich dort, wo es ursprünglich nichts zu finden gab. Denn der Mensch gibt sich nicht mit NICHTS zufrieden. In der Tat! Allein die Existenz des Begriffes NICHTS verkörpert das Paradoxe an der Knacknuss. Hier definiert tatsächlich ein Ding das Nichtding. Oder NICHTS betreffend, soll es vielleicht heißen: ein Ding ist                  ! Was?                 ! Passt nicht!

Der Begriff NICHTS – IST! Insofern ist dieser Bereich mit Leere vollgestopft. Daraus folgt: Kann ein Nichts nicht sein, wenn es Etwas bedeutet? Ergo: NICHTS ist ETWAS und nicht nichts ist etwas! Soweit geklärt, wurde trotzdem nichts erreicht.

Bloß Gedankenspalterei!

Wir wollen die Grenzen des Erfahrbaren und der Wahrnehmung nicht strapazieren, obwohl Philosophie und Bagosophie1 zum gemeinsamen Alleingang zwischen den Welten tendieren. Was sich in transzendenter Analyse von minder transparenten Erklärungen äußert und in verzweifelten Fragen reflektiert, scheint dem Drang nach Erkenntnis zu entspringen.

„Warum ist dann Etwas und nicht nichts im Nichts?“

Diese Frage leidet zwar an Altersschwäche, wurde aber zuletzt auch da und dort gesichtet. Und nicht nur wegen ihrer permanenten Inkarnation stellen wir sie hier erneut infrage. Angesichts eines Nichts wäre sie wohl am besten zu beantworten, wenn man sie unter keinem Blickwinkel betrachtete: Nicht nur, weil Nichts erst in Verbindung mit Etwas gebracht, fraglich erscheint.  Ein falscher Trugschluss? Nein, zumindest kein falscher! Jenseits der Fantasie lauert das Unmögliche, das nicht wegzudenken ist. Über einen vermutlich megalomanen Fortpflanzungstrieb reflektiert die Bagosophie:

Und doch ist das Nichts trächtig!

Allerdings ist das Ganze nicht so einfach! Hier offenbart sich ein gewisses Darüberhinaus des Erfahrbaren. Vorliegende Entwürfe und Spekulationen sind zugleich der filosofische Versuch, die Irrlichter eines fragilen Weltbildes zu löschen. Folgen wir im allgemeinen Gesang dem Hintergrundton zur Guten Hoffnung – er führt uns zu einem Klang, der ausgefallener ist als Mainstream-Musik sich jemals anhörte.

 

Prof. Dr. Josef Kerns „Einführung“ zu Nicolai Sarafovs „Der lichtjährige Spagat“

am Freitag, den 14. Oktober 2016 am Institut für Bagonalistik

(Anrede)

Wie sagte schon Altmeister Goethe so treffend? Zitat:- – Nein danke! – Wer eine Ansprache mit einem Zitat beginnt, hat meines Erachtens schon verloren: Ein Rückgriff auf geniale Weisheiten und Einsichten von Emanuel Kant, Goethe oder Nietzsche offenbart womöglich die Belesenheit des Vortragenden, beweist aber noch lange nicht, ob der das Zitierte auch wirklich verinnerlicht hat. Ergo verzichte ich auf eine derartige Ouvertüre und begnüge mich mit der Nennung eines Buchtitels als sog. „Aufhänger“, der da lautet: „Die Kunst des Bücherliebens“. Dabei handelt es sich um ein außerordentlich anregendes Werk, welches Umberto Eco (der mit dem „Namen der Rose“) 2006 in deutscher Übersetzung vorgelegt hat.

Das Bücherlieben ist nämlich eines der Hauptanliegen von Nicolai Sarafov. Er hat mich gebeten, darüber, nicht über das heute vorzustellende neue Buch zu sprechen. Bücherlieben, damit ist eine Lebenskunst gemeint, auch wenn wir alle wissen, dass die Bibliophilie eine Sucht ist und den ihr Verfallenen oft unglücklich zurücklässt angesichts der Fülle von Schriften, die er nie besitzen kann. Immerhin aber unterscheidet ihn der Grad des Fanatismus noch vom Bibliomanen, dem man sogar Diebstahl zutrauen kann, wenn es um rare Bücher geht. Doch stoßen wir bei Nicolai auf eine andere Spezies des Bibliophilen, nämlich auf jenen des leidenschaftlichen Produzenten, des besessenen Gestalters von Druckwerken in meist limitierter Auflage. Wir haben es bei ihm nicht mit einem klassischen Illustrator zu tun, der fremde Texte bebildert (wobei gelegentlich die Illustrationen besser sein können als das Geschriebene). Nicolai ist Autor, Gestalter und Herausgeber in einer Person. Eigentlich sind das drei Brotberufe, wobei der Autor allerdings zumeist am Ende der Einkommensskala steht. Daraus den Schluss zu ziehen, dass Nicolai aus dieser Tätigkeit nun einen dreifachen finanziellen Nutzen zieht, erweist sich bedauerlicherweise als Trugschluss: Das Bücherlieben, wie er es betreibt, stellt ein zeitaufwändiges Unterfangen dar, bei dem man lieber auf das Ausrechnen eines Stundenlohnes verzichtet, wenn man den langen Weg von der ersten Idee hin zum fertig gedruckten und gebundenem Exemplar eines Werkes bedenkt. Beim Münchener Finanzamt wird da kaum große Freude ausbrechen, es sei denn ein bibliophiler Sachbearbeiter erwirbt Nicolais „Lichtjährigen Spagat“ zusammen mit den zwei Vorgängern der „Affära mystica“.

Nicolai Sarfov liegt viel daran, den Leuten nahezubringen, dass seine bibliophilen Bücher wie auch das nun vollendete Triptychon“ nicht nur gehobener Blödsinn beinhalten, sondern auch andere Qualitäten zu bieten haben, die nicht zuerst im Ausland entdeckt werden müssen, um hierzulande anerkannt zu werden. Er weiß sehr wohl – er selbst schränkt das mit dem Wort „einigermaßen“ ein, was er geschaffen hat, obwohl es derartiges in dieser Form kaum gibt. Daher wünscht er sich, (Zitat): „dass die Leute den Büchern einen vertrauensvolleren Blick schenken. Und auch den Grund verstehen, warum ich das alles im Selbstverlag und in bibliophilen Auflagen mache. Es ist schlichtweg zu speziell für profitmaximierende Verlage, zu riskant und unbekannt für das breite Publikum, zu aufwändig in der Herstellung. Ich mache es für die wenigen, die Geschmack daran finden könnten.“

Stellt sich die Frage nach dem Motiv solchen Tuns; warum nimmt ein Mann wie Nicolai Sarafov die Mühen auf sich, ein Triptychon, wie er es nennt, ein dreiteiliges Werk in die Welt zu setzen? – Nicolai ist Künstler, und Künstler sind Schöpfer, können nicht anders. Und wenn es ein Triptychon wird, dann zielt das auf etwas ganz Besonderes ab, denken wir nur an Otto Dix‘ „Großstadt-Triptychon“ in Stuttgart oder an Max Beckmanns Bilder in der Pinakothek!

Das Gestalten bibliophiler Bücher ist, neben den Radierungen, die große Leidenschaft Sarafovs. Die Techniken des Tief- und des Prägedrucks, der gewissermaßen Dreidimensionales und Haptisches mit sich bringt, scheinen bereits 1981 auf, als das in Leder gebundene „ESOPUS. HISTORISCHE BAGONALISMEN“ in nur 30 Exemplaren in New York und Nizza erscheint. Die „FRAGMENTE“, die „Vonzeitzurzeitschrift“ in zwölf Ausgaben, das legendäre Forum des Instituts für Bagonalistik, wurde 1987 begonnen und 2000 mit der tausendsten Seite abgeschlossen; sie kamen auf 380 Exemplare. Den Vorzugsausgaben der „Knochen aus Restbeständen“ (Auflage 500 nummerierte und signierte Exemplare) lagen, wie dem „Bär mit Abitur“, eine Original-Zeichnung bzw. –Radierung des Autors bei. Kein Wunder, dass sie längst vergriffen sind. Eine größere Fangemeinde kann schließlich Nicolais seit 1979 erscheinender Wandkalender mit Cartoons, Texten und Illustrationen zu einem jährlich neuen Thema für sich verbuchen.

Mit „Der Lichtjährige Spagat“ liegt nun der dritte und finale Band der Graphic Novel „Antilogie des Bagonalismus“ vor. Eine Anti-Logie wohlgemerkt, keine klassische Anthologie oder Blütenlese (griechisch ἀνθολογία „Sammlung von Blumen“, keine Sammlung ausgewählter Texte oder Textauszüge in Buchform. Welche Konsequenzen wir aus der Lektüre ziehen, ob uns die Bilder und Texte weiter bringen, ob sie uns gar zu Anarchisten werden lassen gegenüber dem Alltäglichen, diese Fragestellung lasse ich genauso offen und unbeantwortet wie jene nach äußerlichen stilistischen Einordnungen. Surrealismus oder „Magischer Realismus“, Schablonen der Kunstgeschichte oder der Kunstkritik führen beim Bagonalismus nicht weiter.

(Dank)

Axel Kotonskis „paar Worte zum Text“ zu Nicolai Sarafovs „Der lichtjährige Spagat“

am Freitag, den 14. Oktober 2016 am Institut für Bagonalistik

 

Lieber Nicolai,

Du hattest mich kürzlich gebeten, zur Sprache Deines Buches Der lichtjährige Spagat ein paar Worte zu verlieren, oder zu finden (so genau erinnere ich mich da nicht …).
Na jedenfalls war mir die freundschaftliche Spontanzusage Ehrensache. Doch wie bei all Deinen vorhergehenden Beauftragungen, die schriftsprachlichen Gedankenausformungen so mancher Deiner Druckwerke daraufhin zu überprüfen, ob sie den Gepflogenheiten der deutschen Orthografie und Grammatik entsprechen – und nichtgegebenenfalls anzupassen – fühlte ich sofort Wohlfühlschmerz aufstei­gen: Mühsam und anstrengend würde es werden, spannend und – Vergnügen be­reiten.

Auf Dein ursprünglich mündlich gestelltes Ansinnen, mich mit Deiner Sprache zu befassen, hatte ich sogleich gefrotzelt, da käme mir einer von Kurt Tucholskys „Schnipsel“ in den Sinn. Ihm habe geträumt, er müsse sein Abitur noch einmal ma­chen, und das Aufsatzthema habe gelautet: „Goethe als solcher“[i]. Als ich die E-Mail-Einladung erhielt, waren aus den Worten „zur Sprache“ ein paar Worte „zum Text“ geworden.

Oho! Text … Also das Gewebe der schriftlich fixierten Rede. Entgegenkommende Be-scheidenheit? Ich nehme es mal als Ansporn, in meinem kleinen Weberschiffchen auf Deinem philosophischen Ozean des Bagonalismus mit seinen Gedankenketten sprachlich zu Schuss zu kommen.

Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf. Wer schludert, der sei verlacht, für und für. Wer aus Zeitungswörtern und Versammlungsaufsätzen seines daherlabert, der sei ausgewischt, im­merdar. Kurt Tucholsky [ii] Waffen dienen neben dem Angriff auch der Abwehr. Du hast mir einmal davon be­richtet, wie Ihr in Eurer Herkunftsfamilie unter den Pressionen der damaligen tota­litären bulgarischen Staatsführung sprachliche Ausdrucksweisen entwickelt habt, die für Außenstehende und Spitzel rätselhaft bleiben sollten. Aus dieser Methode des Selbstschutzes hat sich offenbar die Querdenkerei des Bago­nalismus entwickelt, eine Querdenkerei, die im vorliegenden Buch von Möchtegern-Usurpator Colonel Odyssee gegeißelt wird, weil das Querdenken Macht infrage stellt und lächerlich macht[iii] – und sagt man nicht, dass Lächerlichkeit tötet?

Mir erscheint Deine Sprache eher entwaffnend, ist doch Dein Bago: [Zitat] Ein Gefühl, das die Bewältigung absurder Situationen durch Kreativität unterstützt[iv].

Ebenso entwaffnend bezeichnest Du die sprachlich materialisierte Trägerform des Bagonalismus, die Buthaphorie an anderer Stelle selbstironisch als windige und gro­teske Formenspielerei, gar als schmücklerische Attraptivität.[v] Mein Wortschatz braucht mehr Auslauf [vi]. Dieser Satz aus dem lichtjährigen Spagat be­schreibt geradezu programmatisch Deinen Umgang mit Sprache. Die Anspielungen, Wortspiele und allem voran Deine sprachlichen Neuschöpfungen spiegeln ein apo-kryphes Denken wider, mithin ein Denken, das sich um anerkannt Gültiges nicht schert, es vielmehr mithilfe sprachlicher Entlarvungsoperationen bis zur Kenntlich­keit entstellt. Wesentlich ist, was zwischen den Zeilen passiert.[vii] Gemeint ist wohl: Was im Kopf pas­siert, der bekanntlich rund ist, damit das Denken die Richtung wechseln kann[viii].

Im lichtjährigen Spagat lesen wir unter anderem, es obliege den Menschen mit Wis­sen und Geist, den schlimmsten Zustand der menschlichen Gesellschaft, die Mittelmäßigkeit mit ihrer erfolgreichen Bedeutungslosigkeit.[ix] zu stören. Deine Bagosophie (ich will sie mal schlicht als ein erhellendes Um-die-Ecke-Denken bezeichnen), unternimmt immer wieder den Versuch, diejenige Wirklichkeit zu tarnen, die sich an entflohene Realitäten nicht herantraut[x]. Das klingt freundlich und erfreulich unvollkommen menschlich. Narrare humanum est. Manchmal hilft es auch, historische Distanz einzunehmen. Zeit oder Geschichte wird dann empfunden als Zeitgenossenschaft des Vergangenen und Gegenwärtigen in selbstüberlappender Realität[xi]!

Unsere Zeit erweckt den Eindruck, keine Sekunde des Lebens dürfe ungenutzt ver­streichen; eine neue Kommunikationsreligion hat die Menschen ergriffen und zwingt sie zu unablässigem Götzendienst an mobilen Handaltären. Anwesende Mitmen­schen haben zugunsten der Nichtanwesenden zurückzutreten.
In Deinem Kosmos darf Langeweile aufkommen, als Reflex der menschlichen Natur auf die Zeit, die zu vergehen nur vorgibt und Dauer nur vortäuscht; denn Langeweile ist kein Nichtstun, sondern die Auskostung von Spannung, weil einiges länger weilt als ande­res.[xii]

Verlassen wir das Tiefschürfende.

Lieber Nicolai, Du wolltest ausdrücklich, ich solle von den Fährnissen eines Korrek­tors berichten. Voilà: Ob in einem einzigen Satz ein Schiff oder eine Amtszeit ausläuft – und wenn ja, wann und wohin – oder ob es ratsam ist, bei Auslaufmodellen von Wasserbetten zu­zugreifen, dieser hier völlig an der Behaarung herbeigezogene Fall einer Gedanken­verschlingung muss, wenn vom Chairman einmal beharrlich in ein einziges Satzge­füge gedrängt, entflochten zu werden der Boden dafür zu bereiten seine eigene Lo­gik und Zweck kaum besitzt und in den Begriff zu bekommen sich die Regie zu übernehmen anschickt, kann Freilegung des hoffentlich Gemeinten aus seiner gram-matikalisch und semantisch versponnenen Verhüllung als Zuckerschlecken zu be­zeichnen schlechthin der Vorzug kaum gegeben werden.

Konstrukte wie diese – bevorzugt mit bis zu drei Satzsubjekten – waren früher, als der Vorstand des Instituts noch aus einer vierfach-multiplen Person bestand (Nicolai alias Dr. Nicotte Zwo alias Salvatore Patata alias Reiner Chairman), nicht eben selten. Seit Olga und Sir Goldzwerg das Vorstandssextett bereichern, hat wohl besonders Olga (Vorbild für schlichte Reinheit und deren Pflege) maßgeblich dafür gesorgt, dass mich im vorliegenden Werk nur noch grammatikalisch Vorgeputztes erreichte.

Meine Arbeit ging daher glatter vonstatten. Wenn sich dann noch das Prüfkriterium der Endkorrektur erfüllte, nämlich dass der runderneuerte Satz so klingt, als sei er vom multiplen Nicolai persönlich gesprochen – Experten sprechen von Bagolalie –, war ich stolz und zufrieden.

Ach ja: Warum der Tempel des Bagonalismus auf drei Säulen differierender Kulturträ­ger[xiii] ruht, nein, die drei Säulen wachsen ihm aus dem Kopf, wo sie sich als drei Paro­dien zur kosmischen Weisheit im tiefere[n] Unsinn der Dreieinfältigkeit vereinigen[xiv], möge jeder selbst nachlesen und überdenken. Mich hat besagte Dreieinfältigkeit an das maliziöse Bonmot von Karl Kraus erinnert: Vervielfältigung ist insofern ein Fortschritt, als sie die Verbreitung des Einfältigen ermöglicht.[xv] Und wenn wir schon bei Karl Kraus sind: Dieser brillante Zyniker wollte vor jeden Kunstgenuss die Warnung gestellt sehen: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstände nur anzusehen, nicht zu begreifen.[xvi] Ein Schicksal, das dem hier vorliegenden Buch „Der lichtjährige Spagat“ erspart bleiben möge!

Epilog:

Textkorrektur zwingt zu häufigem Nachschlagen von Wörtern. Dabei bin ich auf die mir bis vor kurzem unbekannte Bezeichnung „Spagatprofessor“ gestoßen, den der Duden ab 1991 ausweist als umgangssprachlich scherzhafte Bezeichnung für einen Profes­sor, dessen Universitäts- und Wohnort weit auseinanderliegen. Man wagt nicht, sich auszudenken, wie weit Universitäts- und Wohnort eines licht­jährigen Spagatprofessors auseinanderliegen mögen. Da ist es beruhigend zu wis­sen, dass bagonalistische Lehranstalten vom Wohnort des mit der Lehre Selbstbe­auftragten fußläufig erreichbar sind.

Danke für die Aufmerksamkeit

 

Quellen:

[i] Schnipsel: Ein Mitarbeiter dieser Blätter hatte einst einen sonderbaren Traum. Er träumte, daß er sein Abitur
   noch einmal machen müßte, und das Thema zum deutschen Aufsatz lautete: „Goethe als solcher“.
   In: Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke 1932, Bd. 10, S. 60

[ii] Unter seinem Pseudonym Peter Panter in: Die Weltbühne, 17. 9. 1929, Nr. 38, S. 459

[iii] Nicolai Sarafov: Der lichtjährige Spagat, Institut für Bagonalistik, München 2016, S. 14

[iv] op. cit., S. 57

[v] bago.net/2011/06/butaforie-bagoxicon/

[vi] Spagat, S. 50

[vii] op. cit., S. 22

[viii] Francis . M. de Picabia: Aphorismen

[ix] Spagat S. 56

[x] op. cit., , S. 146

[xi] op. cit., , S. 32

[xii] siehe op. cit., , S. 28

[xiii] Spagat, S. 135

[xiv] ibid.

[xv] Karl Kraus in: Aphorismen, Sprüche und Widersprüche, VI. Presse, Dummheit, Politik;
zit. nach: Karl Kraus, Aphorismen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986 (Suhrkamp Taschenbuch 1318, S. 76)

[xvi] Karl Kraus in: Aphorismen, Nachts, II. Kunst;
   zit. nach: Karl Kraus, Aphorismen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986 (Suhrkamp Taschenbuch 1318, S. 325)

Ursprung BESENREIN

Antilogie der ALLumfassenden Bagonalismen

Text für die Präsentation am Institut f. B., 29. 5. 15

IfBag.’15-B (V.St) 89 <Vortrag „Was ist Bago“ II >

Die beabsichtigte Einführung in den Bagonalismus entfällt!

Heute steht auf dem Programm, (als einziger Punkt ohne Bier und Musik), die Präsentation des neuen Buches „Ursprung Besenrein“. Darin kommt vor, dass eine Art Querdenken, nämlich die Bagosophiespezifisch für den Vorstand des Instituts für Bagonalistik – bei der Lösung von den anstehenden Problemen im Fortlauf der Geschichte helfen kann. Hat auch maßgebend geholfen und darüber wollte ich heute sprechen.

Ja, tatsächlich, ich hatte beabsichtigt auf die Frage: „Was ist das Bagonalismus?“ etwas näher einzugehen. Nun, das hat sich erübrigt. Warum?

Um dieses WARUM zu beantworten, muss ich doch ein wenig ausholen. Nachdem alle ISMEN aus Kunst, Politik, Gesellschaft etc. in Schubladen ihren Platz zugeordnet bekommen haben, habe ich (vor mehr als 30 Jahren) beschlossen, meine eigene Schublade zu eröffnen, damit meine Arbeit nicht ständig in die falsche Kiste hineingezwängt wird. Wie z.B. Surrealismus, Dadaismus und andere – was nicht zutreffen würde.

Auf dem Schild der neuen Schublade stand „Bagonalismus“. Ein Neologismus! Mit Bedeutungen gestopft bis das neue Wort zu Begriff wurde.

Im Anfang war also doch das Wort.

So, das Werkzeug also – um geistig zu überleben – stand bereit. Der Begriff stand – Bagonalismus war nicht mehr wegzudenken! Im wahrsten Sinne des Wortes! Wenn ich gerade nicht darüber nachdenke, dann denkt er sich selber nach und so verbleibt der Bagonalismus im Bereich des Unerklärlichen.

Na ja, wie gesagt, den Bagonalismus kann man eigentlich nicht erklären, wie die Musik, die man hört, mit Worten nicht zu fassen, ich meine, verbal nicht erfassbar ist – so ist der Bagonalismus ein Gefühl: eine Verstärkung für das Immunsystem des Geistes im Umgang mit dem Absurden, dem Grotesken, mit dem Paradoxalen und dem Widersinnigen.

Eine der vielen Definitionen (171 bis jetzt) besagt folgendes: „Bagonalismus ist der Ausdruck für diejenige Haltung, die den Selbsterhaltungstrieb des Geistes nicht verdrängt.“ Den Bago kann man besser verstehen, wenn man versucht ihn zu definieren.

Eine andere Definition wiederum gibt folgendes zum ihren besten: Jede Bezeichnung, deren Erklärung Verwirrungen offen lässt, aber keine zu, ist Bagonalismus.“ Auf Umwegen wäre dabei auch dies darunter zu verstehen: Die Teilwahrheiten sind doch brauchbarer als die Große-Ganze-Wahrheit – die allumfassende Wahrheit, die nicht beschrieben, sondern nur umschrieben werden kann. So habe ich, um den Bagonalismus zu erklären 100 Seiten geschrieben und dabei in Frust kapiert, dass auch 200 Seiten keine endgültige Erklärung hervorbringen würden.

Der Zwang, mich durch diesen Haufen von Seiten zu erklären ist nicht mehr vorhanden.

Die Erkenntnis hat gesiegt: Bago ist ein Gefühl, das die Kreativität unterstützt absurde Situationen zu bewältigen. Situationen, die entweder grotesk, absurd, peinlich, unwürdig oder einfach schwachsinnig sind. Und dieses Gefühl ist individuell, privat und es ist sicherlich mit dem Humor verwandt. Wie man es auch dreht, es dreht sich immer irgendwie um Sinn im Unsinn.

Somit, liebe Freunde, ist euch und mir die peinliche Dauer eines Vortrags in diesem Sinne und Umfang erspart geblieben. Ich danke auch für eure Bemühungen bis dato, den unklaren Bago dennoch gewürdigt zu haben.

Also, fort mit den Erklärungen! Ich habe eh mehr gesagt als beabsichtigt.

——————————

Das Buch „Ursprung Besenrein“ ist ein Versuch – durch das Prisma des BagonalismusScience Fiction liebevoll zu parodieren. Aus dem Inhalt der Graphik Novell geht nämlich hervor, dass wenn die Logik versagt, nur noch bagonalistisches Querdenken weiter helfen kann.

„Der Bagonalismus ist in besonderem Maße befähigt – heißt es im Buch, als einer der Avatare der Superintelligenz das Wort ergreift, um sich die Hilfe des Vorstandes des Instituts für Bagonalistik zu sichern – also,… er, der Bagonalismus, ist in besonderem Maße befähigt sich auf lebensnahe Teilwahrheiten zu verlassen und nicht mit einem dogmatischen Ungetüm von reiner Wahrheit die Welt verseuchen zu wollen. Das Chaos ist ein Konstruktionsprinzip über das Formale hinaus und das Absurde ist das bagonale Gestaltungsmittel des wahren Inhalts. Wir sind der Meinung, dass eure Auffassung – mit den Mitteln der Logik, die Logik zu umgehen und somit zu überwinden – einzig und allein das ALLumfassende Problem lösen kann…“

Die Schlussfolgerung beinhaltet sich in der letzten Definition für heute:

„Dem Bagonalismus sollte man keine große Bedeutung beimessen, aber er ist zu merkwürdig, als dass er überhaupt keine hätte.“

Danksagung an Angela, Christine, Winfried und Carsten… Danke!

Frau Dr. Michaela Raß wird jetzt aus kunsthistorischer Sicht ein paar Worte über dieses Buch selbst sagen… und jetzt DANKE ich endgültig AB!

 

 

Ursprung BESENREIN

Antilogie der ALLumfassenden Bagonalismen

Text für die Präsentation ­– 1. Sci Fi Festval, München, 24. 4. 15

 

IfBag.’15-A (V.St) 88 <Vortrag „Was ist Bago“ I >

Einführung in den Bagonalismus

Ja, ich möchte auf die Frage: „Was ist das Bagonalismus?“ etwas näher eingehen. Eher würde ich über das „Warum Bago“ und das „Wie Bago“ etwas sagen wollen. Daraus ergibt sich dann, so hoffe ich, das „Was ist Bago“.

Nachdem alle ISMEN aus Kunst, Politik, Gesellschaft etc. in Schubladen ihren Platz zugeordnet bekommen haben, habe ich beschlossen, meine eigene Schublade zu eröffnen, damit meine Arbeit nicht ständig in die falsche Kiste hineingezwängt wird. Wie z.B. Surrealismus, Dadaismus und andere – was nicht der Fall ist.

Auf dem Schild der neuen Schublade stand „Bagonalismus“. Die Wortschöpfung BAGONALISMUS ist ein Neologismus, eine Erfindung. Anfänglich – NICHTS! Oder besser – im Anfang war das Wort. Ein Wort wie ein Schwamm: Allmählich mit Bedeutungen getränkt und gegenwärtig zu BEGRIFF angewachsen, eröffnet mir dieser Begriff die Möglichkeit, mich auf unkonventioneller Art und Weise zu äußern.

Warum nicht – was auch jeder normale Mensch tun würde – also, warum nicht im schon vorhandenen Wortschatz nach geeignetem Ausdruck suchen? JA, deswegen: Weil sich es hier um ein Gefühl handelt, wofür es im Wörterbuch keinen geeigneten Begriff gibt. Für dieses Gefühl habe ich eine Benennung gebraucht, um mich verständlich zu machen. Leider ist das neue Wort nicht wie „Eiersalat“ oder „Sonderangebot“ sofort verständlich.

Der Bagonalismus ist nicht leicht zu fassen, aber man kann ihn erahnen.

Und er offenbart sich, Wenn man z.B. durch Kreativität bemüht ist, absurde Situationen zu bewältigen.

Das heißt, wenn man versucht… ja, wenn man unser Unbehagen in solchen Situationen durch Wortspiele, durch Sinn im Unsinn, durch Humor, Parodie, Heiterkeit und Anstand abzuschwächen versucht und ihre Lächerlichkeit veranschaulicht, weil nämlich erwähnte Situationen entweder grotesk, absurd, peinlich, unwürdig oder einfach schwachsinnig sind. Der Bagonalismus ist die Metapher für dieses SAMMELGEFÜHLs. Zugleich ist er eine Art Antidot gegen Ärger, ein Gegengift. Eben dagegen sein dürfen! Darüber etwas später.

Zuerst: Wie kam ich überhaupt dazu?

Ich bin in Sofia/Bulgarien, in einer intellektuell-künstlerischen Mitte aufgewachsen, in der Umgebung von Menschen, die sich einer eigenen Sprache bedienten, um von den Spitzeln nicht verstanden zu werden, die gleichzeitig aber untereinander den Riesenspaß hatten, dennoch alles Verbotene gesagt zu haben – eine gute Schule! Der unmenschliche Terror jener Zeiten möge in Vergessenheit getrieben worden sein, aber Verzeihung ist nicht in Sicht. Diese Zeiten waren so absurd und brutal, wie gleichzeitig die Idee Freiheit fremd, abstrakt und zugleich wie ein heiliger Rettungsring im siebten Himmel erschien. Für uns von drüben, war dieser siebte Himmel ein verklärter Westen – Symbol für die Freiheit – allerdings eine nicht realistische Utopie, geträumt von Eingesperrten im eigenen Land. Für diesen Traum haben viele alles riskiert und davon viele viel verloren. Ich hatte Glück! Die Rede ist von Bulgarien damals, vor der Wende. Heute ertrinkt die Hoffnung in einem Sumpf von Staat.

Als ich im Jahre ‘70 nach Deutschland kam, hatte ich zwar vollwertig eine neue Heimat (die alte meiner Mutter), aber auch genug Absurditäten zu verdauen: Nichtssagende Reden, Verlust an Werten, konsumorientierte Gesellschaft gerade auch im Bereich der Kunst und Kultur. Zur Zeit wird der Dilettantismus verherrlicht und die Profitmaximierung vergöttert. Die Liste ist etwas länger und nicht alles darin ist lustig.

Dennoch die Möglichkeit frei zu sein und eine Meinung zu haben ist hier (im Westen) gegeben. Steht in der Verfassung! Die Demokratie gibt sich zumindest die Mühe demokratisch zu sein. Obwohl… ah, lassen wir das. Allerdings, begriff ich langsam, um persönlich wirklich frei zu sein, sollte man auch die Verantwortung für die angediente Freiheit übernehmen und nicht gedankenlos, einfach prinzipiell und bequem gegen all dem zu sein, was die Wirren der Zeit so im Angebot haben.

Daraufhin habe ich mir die erste bagonalistische Frage gestellt: Wogegen bist du dafür? Und diese folgender Maßen beantwortet: Man soll etwas erschaffen, um dadurch dagegen sein zu dürfen, wogegen man glaubt sein zu müssen.

Wie ist das zu verstehen?

Man muss sich es verdient haben eine Gegen-Position einnehmen zu dürfen; über eigene Verdienste das moralische Recht erworben haben, sich kritisch zu äußern. Dagegen ja, aber aufbauend, konstruktiv, erneuernd und zugleich konservativ im Sinne von Wert-Erhaltung.

So, das Werkzeug also – um geistig zu überleben – stand bereit.

Der Begriff stand – Bagonalismus war nicht mehr wegzudenken!

Daraus entschied sich eine Lebensauffassung; eine Weltanschauung; wenn man so will – auch eine Aufgabe. So kam ich also auf die Überlebensphilosophie eines Bagonalisten: die BAGOSOPHIE – oder diese bagonal formuliert: Die Bagosophie ist eine Philosophie, die keine ist, wenn Philosophie Bagosophie sein will.

Und schließlich wurde im Jahre 1986 das Institut für Bagonalistik gegründet:

Die Existenz einer solchen Einrichtung kann als Parodie auf Real-Muster gedeutet werden und ein Institut bekommt auch eine Satzung. Hier ein Auszug: „Die Aufgabe des Institutes ist es, Konditionen zu schaffen, die zur Pflege des BAGONALISMUS beitragen, insbesondere trägt das Institut Sorge dafür, durch seine Tätigkeit den Verlust an Heiterkeit zu reduzieren“.

DAS IST ES JA! Der Bagonalismus ist mehr oder minder eine heitere Auseinandersetzung mit Unzulänglichkeiten und grotesken Vorkommnissen, die ad absurdum geführt werden. Daraus folgt: Der Bagonalismus ist die absurde Inszenierung von ernsthaften Hintergründen.

Hierfür ergab sich zwangsläufig eine Art indirekte Deutlichkeit, die mit den Mitteln der Logik dieselbe zu umgehen versucht. Das ist die Kunst sich zwischen den Zeilen kreativ zu bewegen und zu äußern in Wort, Bild, Ton und in der Tat, weit entfernt von jeglichen Ideologismus.

Mein Freund, der Philosoph Emil Bojadziev, der leider vor 20 Jahren von uns gegangen ist, formulierte damals die bagonalistische Schublade wie folgt: „Dieser Begriff besteht nicht auf einer stammbedingten Bedeutung seines Wortes im Sinne des Wörterbuches – er verlässt sich vielmehr auf die existentielle Energie seiner Fragmente. Auf diese Weise überwindet der Bagonalismus die Dogmen der ISMEN, die mit den Bedeutungen ihrer Stammwörter spekulieren“.

Das Institut, als Persiflage auf bestehenden Einrichtungen, entwickelte eine rege Tätigkeit. Anfänglich mehr und später weniger, aber immer hin – seit 30 Jahren munter im Amt. Wie Emil Bojadziev schon sagte:„…die existentielle Energie seiner Fragmente…“sprich: visuelle Arbeiten, Bücher, Veranstaltungen, Inszenierungen, andere Werke, Jazz, Formulierungen, Gedanken – ja, Definitionen!

Noch ein Zitat von Emil Bojadziev: „Der Bagonalismus manifestiert sich in der Vielzahl seiner Definitionen, die jeweils nur Teilwahrheiten über den Bagonalismus darstellen, weil dieser sich einer einzig gültigen Definition ebenso entzieht, wie es auf dieser Welt keine ganze Wahrheit je geben wird“.

Jawohl, 170 Definitionen belegen die Ernsthaftigkeit der Sache. Aber diese Ernsthaftigkeit definiert sich nicht durch den Ernst als solchen. Die Formulierungen sind meistens Dichtungen, die sich in Definitionen verdichten. Es wird auch über Dinge gedacht, die sich selbst kaum zu denken gewagt hätten: so quasi, Stiefkinder der Vernunft, über die zu denken gerade noch gefehlt hat.

Hier eine der, am häufigsten zitierten Definitionen: „Der Bagonalismus kann die Welt kaum verändern. Muss aber nicht.“

Andere Formulierungen sind wiederum bagosophischer: „Bagonalismus ist der Ausdruck für diejenige Haltung, die den Selbsterhaltungstrieb des Geistes nicht verdrängt.“

Oder: „Der Bagonalismus führt zum einfacheren Weg, die Welt nicht mehr zu verstehen und ist gleichzeitig die Kunst, diesen Weg zu meiden.“

Oder: Jede Bezeichnung, deren Erklärung Verwirrungen offen lässt, aber keine zu, ist Bagonalismus.“

Noch eine letzte: „Dem Bagonalismus sollte man keine große Bedeutung beimessen, aber er ist zu merkwürdig, als dass er überhaupt keine hätte.“

Und überhaupt: Bagonalismus entsteht oft dann, wenn man versucht ihn zu definieren. Wie man es auch dreht, es dreht sich immer irgendwie um Sinn im Unsinn. Und das Ganze ist natürlich nicht ganz ohne Humor.

Ich hoffe, dass dadurch die Frage „Was Bagonalismus sei?“ zumindest im Ansatz geklärt worden ist.

Na ja, wie gesagt, den Bagonalismus kann man eigentlich nicht erklären – er ist ein Gefühl: eine Verstärkung für das Immunsystem des Geistes im Umgang mit dem Absurden, dem Grotesken, mit dem Paradoxalen und dem Widersinnigen.

Und jetzt die Definition 171, die sich beim Schreiben des Vortrages heraus kristallisierte:

„Bagonalismus ist ein Zerrspiegel in dem sich die Realität als Wirklichkeit erkennt“.

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Das Buch „Ursprung Besenrein“ ist ein Versuch – durch das Prisma des BagonalismusScience Fiction liebevoll zu parodieren. Aus dem Inhalt der Graphik Novell geht nämlich hervor, dass wenn die Logik versagt, nur noch bagonalistisches Querdenken weiter helfen kann.

„Der Bagonalismus ist in besonderem Maße befähigt – heißt es im Buch, als einer der Avatare der Superintelligenz das Wort ergreift, um sich die Hilfe des Vorstandes des Instituts für Bagonalistik zu sichern – also,… er ist in besonderem Maße befähigt sich auf lebensnahe Teilwahrheiten zu verlassen und nicht mit einem dogmatischen Ungetüm von reiner Wahrheit die Welt verseuchen zu wollen. Das Chaos ist ein Konstruktionsprinzip über das Formale hinaus und das Absurde ist das bagonale Gestaltungsmittel des wahren Inhalts. Wir sind der Meinung, dass eure Auffassung – mit den Mitteln der Logik, die Logik zu umgehen und somit zu überwinden – einzig und allein das ALLumfassende Problem lösen kann…“

Ja, ein bisschen Größenwahnsinn ist unvermeidlich… Alles wird gut! Danke!

Frau Dr. Michaela Raß wird jetzt aus kunsthistorischer Sicht ein paar Worte über dieses Buch selbst sagen bevor ich es an der großen Leinwand präsentiere, denn ich habe es zwar gemacht, aber darüber reden – das ist nicht das selbe.

 

 

 

Dauer & Zeit und Frist

13 kurze Feststellungen bagonalistischer Prägung über das suspekte Wesen der Zeit.

Jeden Monat eine neue Auseinandersetzung

IfBag.’14-L (IV. Staffel) 87 <Dezember>

 

Bedenkzeit, Tannendauer & Jahresende

Einen Dauerbrenner stellt der Vogel Phönix dar – aufersteht er doch kontinuierlich aus seiner eigenen Asche. Wie der Weihnachtsmann.

Doch ist es so einfach wiederum auch nicht. Die Entstehung des Lebens ist ein sehr, sehr komplizierter Vorgang. Wenn Leben irgendwo erwachen sollte, wäre dieses Ereignis vergleichbar mit dem Treffen einer tausendstelligen Glückszahl in einer kosmischen Lotterie. Dennoch wäre aufgehende Schöpfung kein Ding der Unmöglichkeit im Hinblick darauf, dass es Billionen und Aberbillionen von Sternen mit Planeten drum herum gibt. Prozentual dürfte sich da schon etwas rühren.

Der Phönix wiederholt sich dauernd!

Auch der Kalender „Bilder zur Zeit“ kommt nicht von ungefähr – (siehe „Kalender“ auf dieser Internetseite). Und sei er auch nur vorübergehend gegenwärtig. Prost Neujahr!

Dauer & Zeit und Frist

13 kurze Feststellungen bagonalistischer Prägung über das suspekte Wesen der Zeit.

Jeden Monat eine neue Auseinandersetzung

IfBag.’14-K (IV. Staffel) 86 <November>

 

Zahnarzttermin, Zeitgeist & Uhrgebiss

Es passiert so viel heutzutage. Einem Hypochonder gleich belegt der Zeitgeist die Geschichte mit Diagnosen und die Zukunft mit Prognosen, macht aus nichts etwas, und umgekehrt. Gleichzeitig wird Aufklärung in der neuen Zeit mit Verklärung der alten Zeit verwechselt.

Das Verständnis für Vergangenes gerät aus den Fugen und das Kommende braucht ein neues Gebiss. Die Zeit wird langsam tatterig. Der Zahn der Zeit benötigt dringend dentale Geborgenheit.

Thesen hin, Prothesen her – solange der Zeit Aufmerksamkeit zuteil wird, bleibt ihr Zubiss bedenklich. Jede Zeit glaubt, sie sei die Wichtigste, doch scheint sie unbemerkt viel vorteilhafter für das SEIN zu sein. Ja, es kommt vor, dass die Uhr an Beachtung verliert, wenn man in schöpferische Tätigkeit vertieft ist. Wenn also die Zeit nicht gerade zuschnappt und auch sonst die Heizung funktioniert, lassen sich sogar Zahnschmerzen ignorieren.

Dauer & Zeit und Frist

13 kurze Feststellungen bagonalistischer Prägung über das suspekte Wesen der Zeit.

Jeden Monat eine neue Auseinandersetzung

IfBag.’14-J (IV. Staffel) 85 <Oktober>

 

Raumzeit, Gezeiten & Dauerfallen

Rinnendes wird sich irgendwann abgeronnen haben, Rennendes abgerast, und der Rest ist endgültig als vertan einzustufen. Sogar der Schöpfer scheint keine Ahnung zu haben, wie lange die Zeit noch andauern soll; denn ER hat es anscheinend nicht eilig: Ganze sieben Tage für eine einzige Welt – da kann man sich ausrechnen, wie lange es mit dem enormen Kosmos dauern kann. Jedenfalls scheint die Zeit vorerst kaum ernsthaft befristet zu sein, abgesehen von ein paar geschickt in die Unendlichkeit verteilten Schwarzen Löchern, diesen Mülleimern des Universums, Horrorszenario für Materie und Blasphemie: Gewaltiger Gezeitenstau, ohne Tempo auf Null zusammengedrängt … keine Substanz, gar nichts – bloß massenhaft auf den Punkt gebrachter Abfall. Die Staubsauger des Himmels mögen zwar paradox sein, trotzdem sollten wir höllisch aufpassen, in welche Löcher hineinzustolpern ratsam ist; falls wir vorhaben, unser Dasein gemütlich weiter zu verpendeln.

Dauer & Zeit und Frist

13 kurze Feststellungen bagonalistischer Prägung über das suspekte Wesen der Zeit.

Jeden Monat eine neue Auseinandersetzung

IfBag.’14-I (IV. Staffel) 84 <September>

 

September – Zeitverlust, Sollte-Haben-Konto & Lichtlimit

Die Zeit ist zwar unser Vehikel, doch keinem Zügel gelingt es, sie zu hemmen. Sie mag unser Eigentum sein, lässt aber alles, was ist, verschlampen. Es gelingt einfach nicht, das HABEN dauerhaft zu besitzen – die Zeit enterbt uns automatisch. Was man sich selber nicht antun möchte: die Zeit tut es. Sie besitzt die Eigenschaft einiges zu historifizieren – jedenfalls gelten die Gebeine als gesichert.

Betrachtet man hingegen die Angelegenheit als Dauer, stellt sich heraus, dass diese darauf ausgerichtet ist, ABZUWARTEN was mit der Zeit passiert. Was sich in die Länge ziehen kann. Und sich zudem kaum lohnt; denn je schneller wir warten, umso zögerlicher vergeht die Zeit. Das Weilen schmilzt beim Rasen und sobald man Lichtgeschwindigkeit erreicht, wird Zeit gleich NULL. Verlockende Vorstellung: Die Zeit hat keinen Wert!

Wäre Licht zeitlos, begünstigte dies rasche Erleuchtungen.

„Mehr Licht“ hat schon Goethe gefordert und ist gewiss über seine Zeit hinaus in Erinnerung geblieben.

Dauer, Zeit & Frist

13 kurze Feststellungen bagonalistischer Prägung über das suspekte Wesen der Zeit.

IfBag.’14-H (IV. Staffel) 83 <August>

 

Dauerstress, Zeitzünder & Lebenslauf

Der Ozean hat Dauerwellen; Halbzeiten sind Reste; Pausen sind befristet; nur noch wenige Momente gehören zur Pünktlichkeit; der Zeitpfeil spießt die Dauer ständig auf; Zeit bemächtigt sich der Psyche; mit der Geburt beginnt die Vergangenheit; ungünstige Dinge haben in ihrem Verlauf die lästige Angewohnheit zu geschehen; und so weiter und so fort.

Weile für Weile verpendeln sich die Uhren. Gnadenfristen werden auf Pünktlichkeit getrimmt, Lunten gekürzt und Akkordzeiten auf Effizienz justiert. Für Höchstleistungen steht kaum noch Zeit zur Verfügung, und so weiter und so fort.

Unsere Zeit? Von wegen! Nichts als Propaganda!

Trotzdem haben Zeiten mal Gutes für sich, mal Schlechtes an sich – und weder das eine noch das andere ist langfristig von Dauer. Nur die Hoffnung dauert länger.

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