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Staffel 6 (107)/ 17

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 16 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Ah, das Universum

Schluss! Bisher gelang kein zufriedenstellendes Etwas, doch hoffen wir in der nächsten Generation zumindest das Nichts zu vollbringen. Was nicht sonderlich schwierig sein dürfte. Doch es geht um mehr.

Anhand vorhandener Fragmente an Mutmaßungen kann schließlich dem lückenhaft umrissenen Etwas, als dem bisherigen Ergebnis unserer Forschung, ein Name verliehen werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Benennen wir das epochale Ereignis und sei es auch nur für die Akten; damit das Gefühl aufkommt, etwas festgehalten zu haben. Das Mysteriöse bei dem ganzen Getue bleibt nach wie vor ein Rätsel!

Wie soll nun die Brut aus dem anonymen Ei heißen? Vorerst ist Etwas weder ein Er, noch eine Sie. Der Aggregatzustand ist verwirrend und für starre Hypothesen unbrauchbar. Dennoch sollte eine angemessene Würdigung der untadeligen Entfaltung – eine solide Kennzeichnung des ALLumfassenden Wunders – erfolgen. Kaum zu vertreten wäre es, dem Sprössling einen Kosenamen ohne Begleitung von emotionellen Temperaturschwankungen zu verpassen. Damit kann man einem Universum17 nicht hinterherlaufen.

Heureka: Universum! Ein DAS! Im Anfang war das DAS! Jawohl, als ein entsprechendes ETWAS ohne Stammbaum und mit haarsträubender Biographie, als ein Kuriosum, das sich mit Blitz und Riesenknall aus der Null materialisierte.

So, jetzt haben wir es … das Universum – banal, aber die Tatsache par excellence – die Ursache, derentwegen wir dieses Sternpanorama genießen dürfen! Wenn wir von Anfang an geahnt hätten, dass das Naheliegende das Endergebnis sein würde, hätten wir uns die Mühe sparen können, so weit in die Ferne zu schielen. Für Ausflüge ins Jenseits unserer limitierten Sicht sind wir sowieso nicht gerüstet. Ein einfaches Universum müsste für so Seiendes vorläufig ausreichen. Vorläufig ist gut gesagt, denn das ETWAS hat just das Nirgendwo verlassen und ist nun in diesem unserem Universum angekommen! Alles Weitere ist weiter weg und das noch weiter Entfernte zählt nicht. Doch ganz so einfach ist das mit dem Leben selbst nicht. Es bedeutet Verstrickungen! Das Recht auf Sein hat sich im Zeitlauf verkompliziert! Im Sinnenreiz der Existenz brachte die Schöpfung als zwangsläufige Begleiter hervor: Zeit, Wahrheit, Realität und den ganzen Rest. Sie alle sind zwar verrufen! suspekt! unbefriedigend! berüchtigt! Aber für den Umgang miteinander haben wir keine anderen!

Schließen wir mit einem Schlusswort:

„Möge sich die ZEIT auf ewig dahinschleppen und gelegentlich mit Plötzlichkeit überraschen – wir verlassen uns darauf, dass ETWAS niemals vergeht!

Das NICHTS kann uns den Buckel runterrutschen – es juckt uns nicht;

ein JETZT, das gleichzeitig kommt und geht, wirkt nicht sehr seriös;

REALITÄT und WIRKLICHKEIT, diese Handlanger der WAHRHEIT, sollen unseretwegen die Philosophie in Permanenz strapazieren. Die Bagosophie hat dieses fragmentarische Kapitel abgeschlossen.

Setzen wir auf Zeitgenossen, die sich für auf den PUNKT gebrachte Teilwahrheiten entschieden haben. Das wären die wahren HELDEN!

Staffel 6 (105)/ 16

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 15 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der Sinn im Unsinn

In diesem Fragment aus dem Denkcluster müsste eigentlich ein tieferer Sinn auf uns zukommen, aber wie soll man ihn nur einfangen?

Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird diejenige sein, die sich als erste aufdrängt. Seit Menschengedenken besteht eine Nachfrage nach dem Inhalt des Seins. Alle, die danach suchen, haben im uneigentlichen Gehalt des Begriffes nicht immer die Illusion, ihr Leben einigermaßen sinnvoll gelebt zu haben! Der Begriff SINN scheint sowohl subjektiv wie auch relativ gleich unbefriedigend zu sein. Wer nicht verzweifeln möchte, sollte jede weitere Sinnsuche einstellen.

Wechsel des Betrachtungswinkels: Das Allumfassende der Großen Wahrheit gilt im Ganzen und überhaupt als der absolute Sinn des Lebens. Ausschließlich die Wahrheit kennt die vollkommene Bedeutung von derartigen Abstrakta und lässt kein Hinterfragen zu. Wer wollte sich anmaßen, die Geschicke des Absoluten zu kritisieren? Außerdem ist diese Auslegung für uns Menschen unbrauchbar. Wir wollen mehr!

Das ist egal! Der Wunsch nach Konkretem gleicht jenem Gegenstand, der in seiner abhanden gekommenen Erscheinung nicht unbedingt so sein muss; jetzt, wo wir das Universum beschlossen haben.

Quatsch! Wie kommt es denn, dass der Sinn nach Abzug seines Inhaltes zwar Realität darstellt, aber in Wirklichkeit doch nicht auffindbar ist; wiewohl er aus sich heraus, aber nicht durch sich selbst besteht? Keiner weiß genau, was dies und was jenes ist. Man schwört zwar auf die kongruente Differenz zwischen den beiden Seiten einer Sache, interpretiert dann aber unterschiedlich.

Wie gesagt, das ist eh egal! Der Wunsch nach Konkretem gleicht dem Gegenstand, der in seiner abhanden gekommenen Erscheinung nicht … ah, das hatten wir schon, oder?

Wir treten auf der Stelle! Der Sinn des Lebens liegt überall dort, wo wir ihn nicht finden können. Das ist zermürbend. Der lang ersonnene Sinn scheint sich im Haufen prätentiösen Unsinns zu verkriechen. Da hat jemand einmal gesagt: Der Sinn des Lebens liege im Bau einer Mauer – wozu sie diene, sei egal – Hauptsache sie mache Sinn. Der Joker der Schöpfung beliebt zu scherzen.

Dichter, gibt es einen Sinn in deinem Leben?

Nur am Anfang und am Ende.

Zwischendrin lach’ ich mich tot.

Aber sollte ich einst sterben,

geht’s über meine Leiche nur!

 

Staffel 6 (104)/ 15

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 14 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der anmaßende Punkt

Der Punkt stellt sich selbst vor:

Was ich bin? Ein symbolisches Gebilde ohne Ausdehnung, eine Stelle, an der sich die Stränge der Schöpfung schneiden. So werde ich zum Mittelpunkt der Unendlichkeit und damit auch des Universums. Das heißt dank dieser meiner Perspektive werde ich zum eigentlichen Etwas aus dem Nichts – dort geboren und als Punkt hinter die allererste Tatsache gesetzt und zum Fixpunkt zielstrebiger Ursache bestimmt. Aus meiner Perspektive ist die Schaffung eines weiteren Etwas durch mich kein Wunder. Was bin ich doch für ein wunderbarer, märchenhafter, legendärer …  ja, was noch für ein Punkt? Gelegentlich stellt mich die Kosmologie als wunden Punkt dar, wenn ich so immens schwer, zugleich anziehend …

Stopp, Punkt! Bleibe bei deinem konventionellen Umfang und vergiss den Größenwahnsinn deiner Singularität.

Ah, wirklich? Meine Wenigkeit schließt gerne jede imposante Vorstellung ab, sei sie noch so unausgegoren in die Zukunft weisend. Obwohl damals gerade durch mich Etwas ins Sein gerutscht und das Monopol der Leere durchbrochen hat. Ja, Ich, der intelligentest denkbare Punkt, lasse durch meinen Wirkungskreis das Nichts als unglaubwürdig erscheinen. Darüber hinaus strebe ich stets die Mitte des Zentrums an, den Ort meiner permanent virtuellen Existenz.

Zu dir, einsames Individuum, ziehen ebenfalls Parallelen aus dem Fluchtpunkt deines eigenen Universums. Diese bilden die Perspektive deiner Weltanschauung und ich beschere dir die Illusion ausgedehnter Sicht! Weiter hinaus kannst du nicht flüchten!

Punctum locutum causa finita? Wohl eher ein Streik der Klarheit. Warum? Der Fluchtpunkt lauert am Ende der Parallelen als seinem Zufluchtsort. Aber wenn sich die Parallelen in der Unendlichkeit begegnen, reflektiert sich dort, irgendwo im Nirgendwo, die umgekehrte Perspektive als Spiegelung. Es entfaltet sich (vollkommen gleich, ob perspektivisch korrekt oder unberechenbar verkehrt rum) ein siamesischer Zwilling des Vorhandenen und es offenbart sich die Unaufhörlichkeit der wahren Endlosigkeit. Von seiner Position in neuer Situation aus betrachtet erscheint der Fluchtpunkt in anderer Proportion, der des Goldenen Schnittes. Was der ideale Schnitt ist, der Durch- und Durchschnitt überhaupt!

Er bleibt als ästhetisch getarnte Ursache unansehnlich, da allenfalls vorbildliche Mittelmäßigkeit entsteht. Was bleibt, ist eine famose Dekoration für durchschnittliche Delirien. Auch deswegen, weil der vom eingebildeten Punkt gesetzte Goldene Schnitt perfekt und deswegen so langweilig ist.

Eigentlich verkörpert unser Punkt die reinste Buthaphorie16.

 

Staffel 6 (103)/ 14

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 13 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Mythos kontra Schwachsinn

Wir finden uns mehr oder weniger damit ab, dass wir aus dem Etwas stammen, das aus dem Nichts entstand. Anstandshalber sollten wir dem Produkt mehr Aufmerksamkeit schenken: Welche Stilblüten hat die Schöpfung dem Universum beschert?

Diese Frage betrifft einen weit größeren Raum als die Lichtgeschwindigkeit ausfüllen könnte. Notgedrungen müssen wir unsere Sicht einschränken – bis zum eigenen Horizont. Auf der Strecke zwischen uns und unserer so verkürzten Weitsicht bäumen sich Menschen auf und tummeln sich Schaulustige. Werte bleiben links liegen.

In der schillernden Gesamtpracht geht das Diskrete zwar unter, es kennzeichnet aber keinesfalls den Untergang des Individuellen. Das unbedingte Zeichen für rätselhafte Eigenheit ergänzt das Erscheinungsbild wuchernden Bestehens.

Gottlob steht der Welt jedoch ein großzügiges Angebot an Charakteren zur Verfügung.

Reichlich Gebrauch davon machen viele – bevorzugt der Fantasie entsprungene Geschöpfe. Nicht wenige aus dieser Produktion bemühen sich um solch gute Taten, die einer kontraproduktiven Realität wohl kaum in den Kram passen würden. Diese Gestalten zählen zu den fiktiven Kreationen der Menschheit – vorwiegend für Notzeiten: nämlich die Helden!

Ein Held entspricht der Definition dessen, was in der jeweiligen Kultur als vortrefflich gilt. Helden, meist verklärt und idealisiert, sind saubere Charaktere, moralisch unantastbar, gesellschaftlich tadellos und haben deswegen wohl niemals wirklich existiert – im Gegensatz zu den Katastrophen, die sie abwenden oder bewältigen sollten. Wenn es brennt, hofft und wartet man auf Helden – man selbst kennt sich ja mit Feuerlöschern nicht so aus.

Je imaginärer der virtuelle Retter aus der Not, desto mehr Werte besitzt die ihm zugeschriebene Echtheit. Zumindest im Reich der Fantasie gibt es Menschen, die schwer in Ordnung zu sein scheinen!

 

Staffel 6 (103)/ 14

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 12 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Ungebundene Schlafstörungen

Geträumt und Seltsames wachgerüttelt!

Im Traum kann die Logik nur bis zu einem gewissen Grad logisch sein, da sie im Schlaf das Absurde weckt. Denn während der Nacht kommt täglich vor: Während sich das Bewusstsein zur Ruhe zurückzieht, schlagen gespeicherte Dateien Kapriolen. Darüber hinaus nisten in den ad absurdum geführten Bereichen Störungen, Dämonen, Vorahnungen, Peinlichkeiten, Täuschungen und sonstige Erscheinungen aus dem Archiv des Unterbewusstseins. Man weiß nicht mehr, wo es besser ist: Diesseits der Illusion oder jenseits der Halluzination? Wer kann schon behaupten, was wirklich ist und was real?

Im Traum wird das Sein sowohl fremdgeleitet wie auch in die Unberechenbarkeit entführt. Im Schlaf dämmert die Befürchtung, dass die Realität sich für das ausgibt, was nicht wirklich ist und strebt doch realexistierende Wirklichkeit an – geht schnarchend mit vorgetragener Entscheidungswut einher und kennt keine Rücksicht auf den Verlust von Tatsachen. Dösende Wahrheit degeneriert zu wertlosem Abfall und wird zu einer kaum mit dem Vorhandensein kompatiblen Nebensache. Zum Glück finden derartige Szenarien niemals grundlos statt – irgendwo schläft eine Voraussetzung mit. Sie ist zugleich der Anreiz für Spekulationen.

So liegt beispielsweise der abstruse Gedanke nicht fern, dass das Etwas bloß eine Schlafstörung des Nichts sei. Ja, eigentlich könnte das albträumende Nichts das wirkliche Etwas sein, aus dem bloß nichts hervorkommt. Oder andersrum – NICHTS SEI und ETWAS NICHT! Katastrophe! Einmal vom Urknall wachgerüttelt wird wohl dieses Nichts als erstes bemüht sein, die Schlafstörung abzuschütteln, das brodelnde Universum zu verdrängen oder zu stornieren, jegliche Schöpfung zu tilgen, um wahres ETWAS darzustellen! Die eigentliche NULL sei etwas, nämlich nichts, sagt Nichts! Sagt nichts, Leute!

Allein die Vorstellung, dass wir nichts oder gar nicht sind, kann in schwere Depressionen ausarten!

Könnte unser Sein auf substanzlosen Ruhestörungen beruhen?

Es muss doch irgendwie zu verdrängen sein, wenn die Gewissheit, nicht zu sein, nur während Schlafpannen das Unterbewusstsein belastet! Aber immer wach auszuharren, ist auch keine Erlösung.

Soweit zu den demütigenden Auswirkungen eines nihilistischen Albtraums.

Staffel 6 (101)/ 12

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 11 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Wankende Zuversicht

Eine imposante Quintessenz: Man kann sich die Suche nach der absoluten Wahrheit sparen, weil sie nicht zu finden ist. Auch wäre der Zeitaufwand hierfür nicht zu rechtfertigen – schon deswegen nicht, weil diese ehrbare Monstrosität in aller Ewigkeit fristlos ist. Darüber hinaus ist die absolute Wahrheit in ihrer Dimension unfassbar und somit unverständlich. Sie ist weit unendlicher als die eigene Endlosigkeit und doch ewiger, als das entsprechende Abstraktum eine Ahnung davon zu liefern imstande wäre. Der Begriff selbst leidet an seiner Unvorstellbarkeit.

Also gut, diese Superlative ist nicht zu fassen! Weil zu enorm!

Das Wissen über das Allumfassende kann niemals Vollkommenheit erreichen, da jedes gelöste Rätsel viele neue offenbart. Das braucht seine Zeit. Die Zeit ist wiederum nur eine vorübergehende Gewohnheit, in der immer wieder Teilwahrheiten entstehen und im Zuge der Dauer verglühen. Vermutlich durch Entsorgung abgestandener Weisheiten wird eine verhängnisvolle Trägheit des Verstandes präventiv vermieden.

Wer weiß, ob die Evolution sich einen Nutzen davon versprochen hat?

(Jedenfalls übergoss die Sintflut damals die Menschheit, gemäß der Feststellung eines alten Griechen, dass alles fließt. Demnach fließt eine Sintflut, solange alles fließt. Wäre da ein Zusammenhang zu ermitteln, könnte man obiges Beispiel als eine paradigmatische Teilwahrheit werten. Zu spät! In den seitdem vergangenen Millennien haben sich, leider, wertvolle Gedankenfolgen verjährt.)

Zu den Teilwahrheiten heute zählt der Fluss der Schlauheiten zur Hebung der Qualität des Bewusstseins. Stillstand ist nicht salonfähig. Wenn der Verstand sich rührt, dann stellt er Differenzen fest. Eigentlich ist die Verschiedenheit eine treibende Kraft, ein lebhafter Zustand, der Vielfalt und Evolution ermöglicht. Die Schöpfung hat jedem das Recht, ungleich zu sein, mit auf dem jeweils individuellen Weg gegeben. Insofern führen Menschheitserkenntnisse zwar nicht zur absoluten Wahrheit, wohl aber sporadisch zu weiteren Teilen ihrer imaginären Ganzheit.

Mahnendes Szenario aus der kosmischen Tiefkühltruhe:

Bewegungslosigkeit da und dort, Stillstand und Hemmungen überall. Wo auch immer Stagnation am Werk ist – das wirkt sich im Falle des Eintretens äußerst negativ auf die Vitalität des Seins … und … schrecklich … Moment! Im Angemessenen unter der Sonne geht es auch fließender, wie wir festgestellt haben! Aus melancholischer Laune heraus soll keine konjunktive Quintessenz den Verstand zusammenfassend trüben! Schließlich wollen wir nicht in dilettantische Estagonie15 verfallen!

Staffel 6 (100)/ 11

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 10 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Die Plötzlichkeit aus dem Nichts

Wieder einmal – NICHTS!

Diese Substanzlosigkeit ist mit schwammigen Vorstellungen von einem Bewusstsein restlos überfordert, auf sich selbst reduziert und somit als Dasein theoretisch kompromittiert. Will heißen NICHTS ist eine gedankenlose Leere.

Von nichts kommt nichts – denkt das Volk – allerdings nur, solange diese Schlussfolgerung durch Politiker nicht in Frage gestellt wird. Wir wollen uns zwar nicht auf deren Niveau herablassen, denn wir behaupten auch ständig, das Nichts sei trächtig: Typisches Beispiel für gleiche, dennoch nicht kongruente Inhalte.

Wieder einmal – JETZT!

Mit einem Feuerwerk – jedenfalls während des großen Knalls, wo der Fluchtpunkt einer kosmischen Perspektive gesetzt wurde – begann unsere Vergangenheit. Hier aber, wahrlich an dieser Stelle und gerade jetzt, streckt sich die Gegenwart in zeitgenössischem Dasein aus. JETZT stellt den alles zu vergegenwärtigen bemühten Zeitpunkt dar, den es beinahe nicht gibt. Die Brücke zwischen Gewesenem und Werdendem scheint ein hastiges JETZT zu sein – ein Kompromiss beharrlicher Dringlichkeit.

 Hier kommen wir auf den GEDANKEN!

Endlos im Einsatz überschlägt sich das JETZT gleich nach seinem Auftauchen, um zähe Anhäufungen von Gegenwart zu unterbinden. Ein jeweiliges Jetzt schlüpft als Simulation von Fortsetzung, trivial und ohne Dauer, dennoch immer im Mittelpunkt der endlosen Kette chronischer Augenblicke. Und freilich ist das Zentrum des Bewusstseins und somit des DENKENS – das JETZT! Wie das?

Ein im Äther eigener Weltanschauung aufkeimender Gedanke schwillt an, gart und reift, zündet aber nicht etwa davor oder danach, sondern simultan im eigenen JETZT. Der abrupte Punkt fixiert den Geistesblitz. Demgemäß manifestiert sich die kontinuierliche Gehirnarbeit durch einen Reigen umgehender Zäsurpunkte.

Der Schlussfolgerung zuliebe, holen wir aus:

Die Zeit stellt eine Ewigkeit aus der Sicht eines Augenblickes dar.

Der Augenblick selbst kann eine Ewigkeit dauern.

Mit sich selbst verglichen dauert die Ewigkeit nur einen Augenblick.

Jeder Augenblick ist für einen Moment im Mittelpunkt.

Ergo zündet Intelligenz nicht im NIRGENDWO sondern im Mittelpunkt.

Der menschliche Geist erblüht im Durchschnitt, irgendwo zwischen schleichender Langwierigkeit und knallharter Spontanität. Schließlich wäre ein zögerlicher Gedanke die reinste Verschwendung von Plötzlichkeit!

 

Staffel 6 (99)/ 10

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 9 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Sehnsucht nach realer Wirklichkeit

Wie die etablierte Banalität suspekter Zustände in Wirklichkeit und Realität erneut in Frage zu stellen ist. Hierbei bleibt fragwürdig, ob eine Antwort darauf reagiert. Auch wenn wir nicht wollen, dass die hier umrissene Problematik in hilflose Fragerei ausartet, wird ein Hinterfragen doch wohl erlaubt sein. Bereits die hartnäckige Gegenwart des Nichts erscheint bedenklich. Dasein eines Nichts? Ja, ja, uns plagt das Nichts als Thema eines permanenten Widerspruchs; noch ziemlich unausgegoren, aber weit harmloser als das unmittelbare Vorhandensein manch berüchtigter Kontraste:

                               Was ist nun Wirklichkeit und was Realität?

Diese Frage wiederum kann die Paradoxie kaum vermeiden, weil sich im Paradoxen das Orthodoxe spiegelt. So auch hier: In ihrer Reflexion erscheint die Realität allzu oft als optische Täuschung der Wirklichkeit.

Gleich eine naive Frage zur Unschuld der Ungewissheit: Warum kann die stets belastende Realität keine unbeschwerte Wirklichkeit sein?

Die Hilflosigkeit einer Antwort darauf mag zwar in Mühseligkeit ausarten, fundierte Befunde am Rande gefasster Diagnosen vermögen jedoch eine gewisse Zuversicht zu wecken: „Die fortschleichende Entropie sorgt für das gleichmäßige Zerbröseln und die Vertreibung der universellen Polaritäten, da sie sich durch die glättende Unordnung angleichen – flachgebügelte Gegensätze, die sich bloß scheinbar, doch nicht ernsthaft widersprechen“.

„Was heißt das? Was hat hier die Entropie zu suchen?“

„Gar nichts, aber in Gutachten kommt so etwas vor!“

Frei übersetzt lässt sich das so lesen: Wenn die sprunghafte Realität zum Stillstand gebracht wird, dürfen wir uns auf eine gleichmäßige Dauerwirklichkeit verlassen. Großartig! Bestimmt gibt es dann auch eine Wirklichkeit ohne Realität. Ein weiteres Paradoxon? Schauen wir uns das an. Wägt man z. B. die Zeit mit der Dauer ab, stellt sich heraus, dass letztere darauf ausgerichtet ist abzuwarten, was mit der Zeit passiert. Sonach vergeht keine Zeit, wenn die Dauer aufs Warten verzichtete und sich auf das Sein des eigenen Weilens konzentrierte! Folglich könnte Dauer unabhängig vom stillgelegten Zeitverlauf existieren. Ob es dann auch Wirklichkeit ohne Realität gäbe? Schön wär’s, aber kann es der Verstand mit dieser Unvereinbarkeit aufnehmen?

Was weiß schon der Mensch? Etliches wird in der Zwiespältigkeit unzuverlässiger Antagonismen reflektiert, die den Rang eines ehrbaren Dualismus bei weitem nicht erreicht haben. Ein Beispiel dafür wäre die Individualität. Wer hätte gedacht, dass Kontradiktionen im Widersinn miteinander verschmelzen und dennoch im Amt bleiben?

Was auch immer das heißt – es gilt auch ohne Besserwisserei.

 

Staffel 6 (98)/ 9

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 8 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Zeitlosigkeit für flexible Illusionen

Der Verfasser sinniert: Wer mit der Zeit geht, ist nicht von Dauer. Zeitlos sein ist das bessere Los.

Bei näherer Betrachtung ist jedoch Zeitlosigkeit lediglich die nihilistische Version von Dauer mit minderwertigem Umfang. Möchtegern-Zeitloser ist auch keine Lösung, wobei sein spärlicher Klatschbestand kaum dem Rieseln der siamesischen Sandzwiebel14 gelten dürfte. Immerhin ist jede aufgewandte Sekunde erheblich vergänglicher als das ihr zugehörige Sandkorn. Was die Vermutung nahe legt, dass ein ausschließlicher Anspruch auf Zeitlosigkeit abwegig ist. Wer dennoch zustimmt, kränkelt an Größenwahn, bei dem die Größe in dem Maß abnimmt wie der Wahn zunimmt.

Melancholischer Versuch eines Poeten, sich einen Reim darauf zu machen:

Zu Wüsten in Mengen verronnen

verschwindet prunklos das Abgezählte

im Treibsand der Vergangenheit.

Nüchterne Stimmen glauben es besser zu wissen: Von wegen Treibsand im Uhrwerk – nur chronischer Verlustbedarf. Eine schrumpfende Illusion duldet kein „aber“! Realität breitet sich aus. Nichtsdestotrotz mischt die Poesie mit! Mit tänzelndem Leichtsinn versucht sie die Lage zu besänftigen. Vorgespiegelte Kreativität soll den Mangel an Talent aufwiegen! Wenn der Dichter sich dabei der Zeit entledigte, träfe er auf günstigeres Künstlergeschick, indem er sich der Dauer anbiederte. Denn auf Dauer könnte so auch mal ein der Realität trotzendes Gedicht entstehen. Wie gesagt, zeitlos zu sein, wäre das bessere Los.

Weitere Ungereimtheiten: Je kleiner etwas wird, umso mehr schwindet seine Größe. Je mehr etwas nicht ist, desto weniger ist es etwas. Ist doch das auf den Punkt gebrachte kleinste Etwas nie ganz Nichts. Wenn aber eine Illusion gleich einer Seifenblase zerplatzt und aus allem Sein verschwindet, dann ist etwas ohne Selbst – ein Sprenkel im Bildrahmen zeitentfremdeter Gedanken! Kleckse, Flecken und Makel bemühen sich zwar auch um den Status der Zeitlosigkeit, doch hängt auch bei einem Bild dessen zeitlose Fläche vom Format ab. Was Format hat, ist unbegrenzt. So wie großartige Profile schließlich einer anderen Logik folgen, die ihrerseits mit ihren eigenen Mitteln umgangen werden kann: zu bemerken an dem mit der Kopflastigkeit geschlossenen Waffenstillstand.

 

Staffel 6 (97)/ 8

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 7 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Parallele Realitäten

Die zweifelhafte Begegnung nicht anpassbarer Zeitgenossen.

Anstatt dass ein fortwährender Wunschtraum endlich in Erfüllung geht, breitet sich Frust im Raum-Zeit-Kontinuum aus. Denn permanent kennt kein Ende und man hofft auf irgendwann im Ewigen. Assoziativ belebt sich an dieser Stelle die Debatte um die zwangsläufige Zeit und ihre Unzulänglichkeiten.

Es wird behauptet: Das Gewesene ist gewesen ehe das Ungewesene zu werden sich bemüht hat. Die werdende Zeit wird erst gewesen sein, wenn sie in gewordener die vergangene war. Fazit: Nichts war, bevor es nicht wurde.

Zum Konglomerat aus meinungsaustauschbaren Ansichten über das Thema gesellen sich unvermutet ein Davor und ein Danach – eindeutig aus dem Stamm der Begriffe, die dem Tätigkeitsbereich der Dauer verpflichtet sind: Wir haben hier ein NICHTS davor bevor ein ETWAS danach entstand. Woraus die Andeutung einer Reihenfolge nachvollzogen werden kann. Was der Reihe nach passiert und nicht etwa umgekehrt geschieht, präsentiert sich als Ritt auf dem Zeitpfeil in vorbestimmter Richtung. Ergo kalkuliert die Zeit parteilich, aber dennoch logisch! Wie sonst dürfen wir meistens nach dem einen, vor dem anderen sein?

Was in der bildlichen Darstellung geschieht, dokumentiert die Diskrepanz:

Die sehnsüchtig angestrebte Begegnung von Zeitgenossen differierender Welten scheitert am nicht kongruenten Uhrenvergleich. Dem Verweilen in gleichzeitigem Dasein fehlt es an kompatibler Präsenz. Sanduhren extraterrestrischer Fabrikate rieseln asynchron zu heimischen Produkten. Andere Mentalitäten – andere Maße, würde man meinen. Subjektive Auffassungen verdeutlichen die Differenzen in den jeweiligen Empfindungen. Doch weit gefehlt! Denn die gesamte Konstellation begünstigt kein historisches Rendezvous, schon gar kein Davor oder Danach um die Pünktlichkeit herum. Deswegen wird die Zeit bisweilen als unbelehrbar relativ getadelt.

Soweit, so klar. Aber nimmt die Zeit ab oder nimmt sie zu? Wie viel davon gibt es überhaupt?

Unmöglich, dahinter zu kommen! Der Gedanke liegt nicht fern, die Zeit sei ein Hirngespinst und diene völlig aus der Dauer gegriffen dazu, Fristen durchzusetzen. In Zahlen zerlegbar und ohne erkennbaren Nachschub zertickt sie sich unaufhörlich. Obwohl sie vorübergeht, hört sie nie auf. Bis in alle Ewigkeit dauert der Flug des urgeknallten Pfeils, der seinen Weg vom Fraglichen zur Endlosigkeit mit Langweile pflastert.

Das Auftreten einer Dilatation13 seitlich der ganzen Linie ist beliebig irrelevant. Diese Dilatation manifestiert sich darin, dass die Zeit für manche schnell und für andere noch schneller vergeht. Eine von Pünktlichkeit abhängige Gegenwart wird durch willkürliche An- und Abwesenheiten ad absurdum geführt.

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