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Staffel 6 (97)/ 8

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 7 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Parallele Realitäten

Die zweifelhafte Begegnung nicht anpassbarer Zeitgenossen.

Anstatt dass ein fortwährender Wunschtraum endlich in Erfüllung geht, breitet sich Frust im Raum-Zeit-Kontinuum aus. Denn permanent kennt kein Ende und man hofft auf irgendwann im Ewigen. Assoziativ belebt sich an dieser Stelle die Debatte um die zwangsläufige Zeit und ihre Unzulänglichkeiten.

Es wird behauptet: Das Gewesene ist gewesen ehe das Ungewesene zu werden sich bemüht hat. Die werdende Zeit wird erst gewesen sein, wenn sie in gewordener die vergangene war. Fazit: Nichts war, bevor es nicht wurde.

Zum Konglomerat aus meinungsaustauschbaren Ansichten über das Thema gesellen sich unvermutet ein Davor und ein Danach – eindeutig aus dem Stamm der Begriffe, die dem Tätigkeitsbereich der Dauer verpflichtet sind: Wir haben hier ein NICHTS davor bevor ein ETWAS danach entstand. Woraus die Andeutung einer Reihenfolge nachvollzogen werden kann. Was der Reihe nach passiert und nicht etwa umgekehrt geschieht, präsentiert sich als Ritt auf dem Zeitpfeil in vorbestimmter Richtung. Ergo kalkuliert die Zeit parteilich, aber dennoch logisch! Wie sonst dürfen wir meistens nach dem einen, vor dem anderen sein?

Was in der bildlichen Darstellung geschieht, dokumentiert die Diskrepanz:

Die sehnsüchtig angestrebte Begegnung von Zeitgenossen differierender Welten scheitert am nicht kongruenten Uhrenvergleich. Dem Verweilen in gleichzeitigem Dasein fehlt es an kompatibler Präsenz. Sanduhren extraterrestrischer Fabrikate rieseln asynchron zu heimischen Produkten. Andere Mentalitäten – andere Maße, würde man meinen. Subjektive Auffassungen verdeutlichen die Differenzen in den jeweiligen Empfindungen. Doch weit gefehlt! Denn die gesamte Konstellation begünstigt kein historisches Rendezvous, schon gar kein Davor oder Danach um die Pünktlichkeit herum. Deswegen wird die Zeit bisweilen als unbelehrbar relativ getadelt.

Soweit, so klar. Aber nimmt die Zeit ab oder nimmt sie zu? Wie viel davon gibt es überhaupt?

Unmöglich, dahinter zu kommen! Der Gedanke liegt nicht fern, die Zeit sei ein Hirngespinst und diene völlig aus der Dauer gegriffen dazu, Fristen durchzusetzen. In Zahlen zerlegbar und ohne erkennbaren Nachschub zertickt sie sich unaufhörlich. Obwohl sie vorübergeht, hört sie nie auf. Bis in alle Ewigkeit dauert der Flug des urgeknallten Pfeils, der seinen Weg vom Fraglichen zur Endlosigkeit mit Langweile pflastert.

Das Auftreten einer Dilatation13 seitlich der ganzen Linie ist beliebig irrelevant. Diese Dilatation manifestiert sich darin, dass die Zeit für manche schnell und für andere noch schneller vergeht. Eine von Pünktlichkeit abhängige Gegenwart wird durch willkürliche An- und Abwesenheiten ad absurdum geführt.

Staffel 6 (96)/ 7

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 6 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Ein schwerwiegendes Etwas

Die atheistische Ader des wissbegierigen Etwas.

Aus der Forschung wissen wir, dass sich der Kreis nicht immer sich nach Wunsch schließt, die Erde sich nicht immer am eigenen Horizont abrundet, und schließlich nehmen wir an, dass das Universum nicht auf seine Unendlichkeit limitiert sein muss. Mehr und mehr häufen sich Erkenntnisse darüber, dass der Urknall eine nicht versiegende Quelle von spekulativen Unmöglichkeiten darstellt. Im Ganzen betrachtet ist daher offensichtlich: Es existiert ein das Nichts übertreffendes Äquivalent. Die begleitenden Faktoren des Seins vermengen und verkomplizieren sich kontinuierlich. Aus der kurzsichtigen Perspektive unserer Erde konzentrieren sie sich hauptsächlich in ihrer Umgebung. Abseits zwingender Unbedingtheit hofft man mit gemischtem Wissen mehr zu entdecken.

Nun schleicht die Zeit unaufhörlich im Raum herum. Ewigkeit und Endlosigkeit bestimmen die Dimensionen. Jedenfalls gilt als sicher, dass das zeitlich Dahinschleichende – in ernstzunehmendem Bund mit dem Raum und durch seine Unermesslichkeit – seit Äonen die Geschicke des Alls zu kontrollieren versteht. Allerdings gibt es da ein paar in der Unendlichkeit verteilte Spielverderber: Die Schwarzen Löcher9! Diese Mülleimer des Universums bilden das Horrorszenario für Materie und Blasphemie: Ein gewaltiger Gezeitenstau, ohne Tempo auf Nullkommanichts zusammengedrängt, keine Substanz, nur massenhaft auf den Punkt gebrachter Abfall. Das Universum entlaust sich selbst im Bestreben, Sonstiges zu annihilieren. Annullierte Nichtigkeiten und dergleichen Tautologien werden entsorgt und dem Nichts zurückgeführt wie in Essig aufgelöste Schatten der Geschichte. Hoffnungsvoll tröstliche Aussichten einer im eigenen Kreislauf gefangenen Forschung auf unserem Planeten. Aufkeimende Erkenntnisse werden indirekt auf das Universum übertragen.

Ansonsten scheint sich der Kosmos in kooperativer Harmonie zu befinden, sofern gebührender Abstand zum fatalen Ereignishorizont10 eingehalten wird. Erfahrungsgemäß lauert dahinter die Singularität11 – als schwerwiegendste Prothese der Entstehung, die als Antithese zum Nichts entsteht und in dieses Paradoxon entrückt. Anders ausgedrückt: Das Universum bleibt vorläufig in seiner Unermesslichkeit verhaftet.

Alles wird gut und die Buthaphorie12 rundet sich ab!

Wodurch das Nichts nicht weniger und das Etwas auch nicht gescheiter wird.

 

Staffel 6 (95)/ 6

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 5 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Seit Anbeginn vorwiegend Mittelmaß

 Durchwachsene Quintessenz: Im Vakuum rührt sich etwas.

Dann vermengt sich Etwas und die Leere ist voll. Und was haben wir davon?

Was die Geschichte zu mildern versucht:

Verstand reduziert Entstandenes auf Sichtbares.

Aberglaube erhält Nichtverstandenes aufrecht.

Widersprüche werden in Zweckwunder hineininterpretiert.

Im Eifer tausend heilige Worte gleichzeitig ausgesprochen.

Drohendes Ertrinken im Wortschwall.

Welt durch Zuckerbrot und Peitsche fortwährend gezügelt.

Und andere Welten? Größenwahnsinn!

Soweit die Lage vor dem Universum!

Später erfolgte im Fortgang der Geschichte zuvor ein Urknall7.

Seit diesem Wink erwarb das Jenseits den Status eines unendlichen Universums. Irgendwo dazwischen – inmitten von Chaos, Dunkler Materie und fernen Supernovae – erlangte unser auf einen verlorenen Punkt reduziertes Dasein die wacklige Gewissheit, dass wir es mit der Großen Wahrheit zu tun haben!

Ob dieser Happen nicht ein wenig zu groß ist?

Da auf der anderen Seite der Medaille lediglich ein kleiner Kontrapunkt zum absolut Großen überlebt hatte, drängten sich auf diesem Standpunkt unserer begrenzten Welt all die soliden, scheinbaren, intakten, glaubwürdigen, größenwahnsinnigen, offensichtlichen und subjektiven Teilwahrheiten zusammen. So betrachtet gelten hier, auf dem Rücken der Großen Wahrheit, die kleinen Wahrheiten – als Teile einer ausgedehnten Ahnung von Etwas im Nichts. Womit auch Gott nur eine Teilwahrheit wäre; wie auch das rätselhafte Multiversum nur eine (allerdings unendliche) Teilwahrheit ist. Die Wissenschaft deckt andere Teilwahrheiten auf; die Wahrsagung erfindet welche; die Politik hat ein taktisches Verständnis von Wahrheit. Ja, und was noch?

Während sich die Fantasie bemüht, Vorstellungen von Großartigem zu formen, sorgt gleichzeitig eine mentale Entropie8 kontinuierlich für Mittelmäßigkeit.

Und mangels anderem bleibt inmitten dieser grandiosen Bedeutungslosigkeit nur die Hoffnung.

Staffel 6 (94)/ 5

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 4 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der Pegasus und das Nichts

Etwas und nicht wieder nur Nichts. Wobei weder dies, was ist, noch jenes, was sein soll, dem Bewusstsein ausreichend zugänglich ist. Und dennoch Anlass zu Bedenken gibt: Weil DAS NICHTS ein philosophisches ETWAS zu sein scheint, welches zu nichts führt. Doch im Superangebot einer Unendlichkeit kann es kein bloßes Nichts geben. Weil darin alles, aber auch ALLES erfasst ist – auch das Unvorstellbare. Neben Nichts gibt es nichts, was es nicht gibt.

Mühelos ist darin der Pegasus6 zu erkennen. Der die Mythologie beschwingt durchquerende Leichtsinn kommt einem fast schon selbstverständlich vor. Belanglos bleibt, ob sich seine Gegenwart vor oder nach unserer Zeit im Bild visualisiert – im eigenen Moment verhält sich das Pferd loyal zum angebotenen Dasein und erscheint pünktlich JETZT vor Ort. Will heißen, der Pegasus kommt synchron zu seiner Präsenz da und jetzt an. Von diesem Fragment aus betrachtet, ist er laut Protokoll momentan gerade dort, wo auch da sei. DA und DORT zugleich? Wenn hier alles vorkommt, kann auch so etwas sein!

Das schleppt sich folgendermaßen hin: Obwohl DORT hier wäre, wenn DA dort sei, ist DA seltener DORT. Falls DORT zu DA her und DA zu DORT hin tauschen würden, wechselte ein Sein vom DORT zum Sein im DA und umgekehrt. Wo DA und DORT jeweils dem DORT und DA gegenüber als Ort zu identifizieren ist, findet unweigerlich ein HIER statt.

Wenn also etwas einmal angekommen ist, ist sein Hiersein nicht anderswo.

So einfach ist das!

Der Pegasus ist JETZT – also zugleich HIER gelandet. Sichtlich verstimmt darüber, im Hier nichts vorzufinden, kokettiert er dennoch mit dem leeren Abstrakt. Lustlos dichtet Pegasus ein wenig, doch sein lyrischer Ansatz entschwindet ungereimt im Unvorhandenen! Bedauerlich nur, dass im JETZT – dem nichtigen Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft – es der Poesie an Gemächlichkeit fehlt. Im Ernst: Kann ein Gedicht in der anämischen Dauer eines flüchtigen Augenblicks auf Ewigkeit Früchte tragen?

N.B. Gibt es nicht zu denken, dass die Bagosophie unter all dem Disponiblen einen Pegasus als Konstante mitmischen lässt? Wer weiß schon im Voraus, wozu flatternde Anschauungen zu gebrauchen sind. Selbst die Unbeschwertheit schwebender Hallodris ist kein Garant für die Entschlackung betonierter Gedankengänge, die den Mythos vergessen machen wollen. Schließlich scheint sogar das JETZT ein Zögling der ZEIT zu sein, der in unberechenbarer Permanenz danach strebt, sich ausschließlich um die Altersversorgung seiner Stiefmutter zu kümmern.

Staffel 6 (93)/ 4

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 3 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Das Wurmloch des flüchtigen Sisyphos

Eine andere Auffassung von: Lassen wir das Nichts sein! Oder nicht sein! Weit und breit kein Nichts in Sicht. Ein Universum gehabt sich wohl in mengenhafter Leere, darin die Lichter niemals ausgehen. Eine illuminierte Bühne der Fantasie! Das Rampenlicht bescheint den einsamen, wenn auch nicht einzigen Mittelpunkt im All, von dem aus Sterne zu erblicken sind. Unsere Welt ist nicht dieselbe wie all die anderen, von denen man nicht weiß, welche Wahrheiten dort Geltung haben oder man gar wüsste, was im mystischen Multiversum3 vorgeht. (Ein solches sich vorzustellen fällt leicht, solange man es nicht beweisen muss.) Wenn die Götter auf der Erde zuschlagen, so besteht Hoffnung, dass ihre Schlagkraft anderswo versagt. Die verzweifelte Frage des Sisyphos4, ob sein Stein Sein sei, gleicht dem Versuch, durch ein Wurmloch5 zu entkommen, um so seiner Strafe zu entgehen. Und scheitert doch an der übergeordneten Wahrheit.

Wie sieht nun diese absolute Wahrheit aus – falls es sie geben sollte?

De facto ist die enorme und ganze Wahrheit eine begrenzt harmlose Superlative mit Anspruch auf allumfassende Präsenz. Als ein gefühlloser und selbstherrlicher Begriff mit unbestimmtem Aufenthalt ist sie nicht zu lokalisieren und erst recht nicht zu fassen! Sie ist als Instanz zugleich so nebulös, dass ihre diversen Inhalte, die nur vage voneinander differieren, örtlich bedingten Umständen angepasst werden müssen. Demgemäß erscheinen etwaige Unterschiede überall kontextuell identisch. Aus der Ferne betrachtet erkennt man allerdings in dem, was uns die Wahrheit vorgaukelt, eine kaum zu widerlegende Folgerichtigkeit. Egal welcher Logik wir folgen, müssen wir die Große Wahrheit wohl oder übel als die ausschlaggebende Instanz anerkennen. Ob es Alternativen gibt? Das werden wir gleich erfahren!

Wie auch immer – oder gerade wie immer – entbehren Sisyphos’ Anstrengungen jeglichen Sinnes. Er flüchtet aus einer Realität in eine davon differierende Wirklichkeit, wobei sich, gemäß den obigen Feststellungen, beide prinzipiell kaum voneinander unterscheiden. Trostlose Plackerei! Jenseits aller Hoffnung nichts als Steine, auf dem Wege festgestellt. Ein Stein ersetzt den nächsten, ohne dass das sinnlose Nichts sich dabei auflöste. Signifikante Erinnerungen können wohl kaum verjähren. Seit mythologischen Zeiten – immer das Gleiche!

 

Staffel 6 (92)/ 3

Die Trächtigkeit des Nichts —

(Fragment 2 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Alternative Genesis — kreuz und quer

Auftauchen einer Weltsicht, die – abgesehen von den sonst stabilen Tatsachen – mit dem eigenem Verständnis über das Selbst identisch sein soll. Keine Wirklichkeit hat dieses Kunststück jemals vollbracht. Postuliert wird eine imaginative Quelle der hergebrachten Ursachen.

Während im Fragment 01 über labile Gewissheiten spekuliert wird, haben wir es im Fortgang mit Interpretationen der Unfehlbarkeit in Schöpfers eigener Sache zu tun.

In Abweichung von der These des generierenden Nichts existiert parallel dazu die simplifizierte Anschauung, dass Etwas ohne Ursache – mir nichts, dir nichts – sich selbst erschaffen kann. Aus einer erdachten Präexistenz im Nirgendwo großartig ins Sein gesprungen, gilt dieses Wunder bis dato als glaubwürdig. Der Erhaltung dieses Zaubers zuliebe sollte keine unterminierende Freisicht zum Zuge kommen dürfen.

Die Fantasie scheint sporadisch Fakten zu schaffen, die sich als Tatsachen zu etablieren wissen. Schon immer war festzustellen, dass jeder, der sich für eine Tatsache hielt, seine Fakten solange verschonte, wie sie konform blieben. Man erlebte, wie eine Pflanze gezwungen wurde sich anzuwurzeln. Infernale Zeiten, damals …

Freilich wuchs mit der Zeit Gras darüber; nichts als blinder Zufall in Sachen Genesis. Der Gegenwart wurde zwar die Überschaubarkeit der Spielregeln in Aussicht gestellt, doch bleibt die weitere Dehnbarkeit der Gewissheit bis heute limitiert. Gottlob, dass die heuchlerischen, aus den Wolken gezogenen Konsequenzen sich gegenwärtig allmählich zwischen Himmel und Erde verziehen. Eine sich selbst etabliert habende Tatsache als letzte Instanz, das wäre letztendlich doch das Letzte.

Staffel 6 / 2 / 91

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 1 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der Fluchtpunkt des Seins

Die Null der Realität, das Sonderangebot spontaner Kosmogonie im nihilistischen Teil der Wirklichkeit – sehr wahrscheinlich ein Schnäppchen aus bornierter Zeitrichtung von minimaler Dauer als Vollstreckung ALLumfassender Leere. Es machen sich breit: Spekulationen um herabgesetzte Existenzen aus dem kostengünstigen NICHTS, favorisiert von einer obdachlosen Null. Es sei denn, die Geburt der langen Kette des Seins wäre eingeleitet worden von einer angereicherten Quantenfluktuation des Vakuums.

Wobei klar sein dürfte: Keine Wirkung ohne Ursache.

Was aber, wenn jene aus der unendlichen Reihe vorangehender Ursachen stammte, von denen jede die nächste erwirkte? Dann müsste die allererste Ursache sich zwangsläufig selbst verursacht haben – und zwar im Nichtvorhandenen! Quelle der Ursachen des Seins scheint folglich eine vollkommene Leere mit automatisch entsprossener Perspektive zu sein. Wenn schon keine potente Schöpfung überzeugen kann, ist doch zumindest die Geburt des Paradoxons zu argwöhnen – aus Nichts, Etwas! Als Alternative zum „Großen Umstand“ in diesen Auslegungen ist eine in Widersinn verstrickte Nachkommenschaft zwar reichlich belegt, sie muss wegen mangelhafter Logik aber lückenhaft bleiben.

Allein die Behauptung, das Nichts sei trächtig, setzt keine unterstützende Ursache – gar eine Tatsache – voraus, so dass noch lange nicht geklärt werden kann, wovon hier eigentlich die Rede ist. Wir werden uns wohl unter diversen Blickwinkeln im Wesentlichen ständig wiederholen müssen, um ein skeptisch betrachtetes Wunder mit bagonal2-fundierten Fakten nachdrücklich von Zweifeln zu entlasten. WIE, WAS, WARUM ist immerfort nachzufragen, wenn die Antworten auf unschlüssige Ursachen seltsame Wirkungen enthüllen.

Staffel 6 / 1 / 90

Die Trächtigkeit des Nichts

(Fragment 0 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Einführung (Protolog)

Bei allem Verständnis: Die Welt ist noch immer voller Rätsel!

Zahlreiche Erklärungen versuchen, sich auf dem weiten Feld der Wahrscheinlichkeiten zu profilieren. Dabei wird meistens über den Ursprung von Etwas aus dem Nichts gerätselt. Doch weilen darunter epochale Konstrukte, die den Bedarf an Gewissheit mit Begriffen bestechen.

„Das Weltall hat Quantencharakter“

„Im Anfang war das unendlich vollkommene Wesen“

„Der Kosmos ist ein Gewebe aus mathematischen Strukturen“

„Die Existenz verdankt ihr Sein einem paradoxen Zufall im Nichtsein“

„Die Entstehung ist kryptogen“

Und so weiter und immer fort wird nach dem Heiligen Gral, nach der allumfassenden Weltformel oder überhaupt nach etwas gesucht; nämlich dort, wo es ursprünglich nichts zu finden gab. Denn der Mensch gibt sich nicht mit NICHTS zufrieden. In der Tat! Allein die Existenz des Begriffes NICHTS verkörpert das Paradoxe an der Knacknuss. Hier definiert tatsächlich ein Ding das Nichtding. Oder NICHTS betreffend, soll es vielleicht heißen: ein Ding ist                  ! Was?                 ! Passt nicht!

Der Begriff NICHTS – IST! Insofern ist dieser Bereich mit Leere vollgestopft. Daraus folgt: Kann ein Nichts nicht sein, wenn es Etwas bedeutet? Ergo: NICHTS ist ETWAS und nicht nichts ist etwas! Soweit geklärt, wurde trotzdem nichts erreicht.

Bloß Gedankenspalterei!

Wir wollen die Grenzen des Erfahrbaren und der Wahrnehmung nicht strapazieren, obwohl Philosophie und Bagosophie1 zum gemeinsamen Alleingang zwischen den Welten tendieren. Was sich in transzendenter Analyse von minder transparenten Erklärungen äußert und in verzweifelten Fragen reflektiert, scheint dem Drang nach Erkenntnis zu entspringen.

„Warum ist dann Etwas und nicht nichts im Nichts?“

Diese Frage leidet zwar an Altersschwäche, wurde aber zuletzt auch da und dort gesichtet. Und nicht nur wegen ihrer permanenten Inkarnation stellen wir sie hier erneut infrage. Angesichts eines Nichts wäre sie wohl am besten zu beantworten, wenn man sie unter keinem Blickwinkel betrachtete: Nicht nur, weil Nichts erst in Verbindung mit Etwas gebracht, fraglich erscheint.  Ein falscher Trugschluss? Nein, zumindest kein falscher! Jenseits der Fantasie lauert das Unmögliche, das nicht wegzudenken ist. Über einen vermutlich megalomanen Fortpflanzungstrieb reflektiert die Bagosophie:

Und doch ist das Nichts trächtig!

Allerdings ist das Ganze nicht so einfach! Hier offenbart sich ein gewisses Darüberhinaus des Erfahrbaren. Vorliegende Entwürfe und Spekulationen sind zugleich der filosofische Versuch, die Irrlichter eines fragilen Weltbildes zu löschen. Folgen wir im allgemeinen Gesang dem Hintergrundton zur Guten Hoffnung – er führt uns zu einem Klang, der ausgefallener ist als Mainstream-Musik sich jemals anhörte.

 

Prof. Dr. Josef Kerns „Einführung“ zu Nicolai Sarafovs „Der lichtjährige Spagat“

am Freitag, den 14. Oktober 2016 am Institut für Bagonalistik

(Anrede)

Wie sagte schon Altmeister Goethe so treffend? Zitat:- – Nein danke! – Wer eine Ansprache mit einem Zitat beginnt, hat meines Erachtens schon verloren: Ein Rückgriff auf geniale Weisheiten und Einsichten von Emanuel Kant, Goethe oder Nietzsche offenbart womöglich die Belesenheit des Vortragenden, beweist aber noch lange nicht, ob der das Zitierte auch wirklich verinnerlicht hat. Ergo verzichte ich auf eine derartige Ouvertüre und begnüge mich mit der Nennung eines Buchtitels als sog. „Aufhänger“, der da lautet: „Die Kunst des Bücherliebens“. Dabei handelt es sich um ein außerordentlich anregendes Werk, welches Umberto Eco (der mit dem „Namen der Rose“) 2006 in deutscher Übersetzung vorgelegt hat.

Das Bücherlieben ist nämlich eines der Hauptanliegen von Nicolai Sarafov. Er hat mich gebeten, darüber, nicht über das heute vorzustellende neue Buch zu sprechen. Bücherlieben, damit ist eine Lebenskunst gemeint, auch wenn wir alle wissen, dass die Bibliophilie eine Sucht ist und den ihr Verfallenen oft unglücklich zurücklässt angesichts der Fülle von Schriften, die er nie besitzen kann. Immerhin aber unterscheidet ihn der Grad des Fanatismus noch vom Bibliomanen, dem man sogar Diebstahl zutrauen kann, wenn es um rare Bücher geht. Doch stoßen wir bei Nicolai auf eine andere Spezies des Bibliophilen, nämlich auf jenen des leidenschaftlichen Produzenten, des besessenen Gestalters von Druckwerken in meist limitierter Auflage. Wir haben es bei ihm nicht mit einem klassischen Illustrator zu tun, der fremde Texte bebildert (wobei gelegentlich die Illustrationen besser sein können als das Geschriebene). Nicolai ist Autor, Gestalter und Herausgeber in einer Person. Eigentlich sind das drei Brotberufe, wobei der Autor allerdings zumeist am Ende der Einkommensskala steht. Daraus den Schluss zu ziehen, dass Nicolai aus dieser Tätigkeit nun einen dreifachen finanziellen Nutzen zieht, erweist sich bedauerlicherweise als Trugschluss: Das Bücherlieben, wie er es betreibt, stellt ein zeitaufwändiges Unterfangen dar, bei dem man lieber auf das Ausrechnen eines Stundenlohnes verzichtet, wenn man den langen Weg von der ersten Idee hin zum fertig gedruckten und gebundenem Exemplar eines Werkes bedenkt. Beim Münchener Finanzamt wird da kaum große Freude ausbrechen, es sei denn ein bibliophiler Sachbearbeiter erwirbt Nicolais „Lichtjährigen Spagat“ zusammen mit den zwei Vorgängern der „Affära mystica“.

Nicolai Sarfov liegt viel daran, den Leuten nahezubringen, dass seine bibliophilen Bücher wie auch das nun vollendete Triptychon“ nicht nur gehobener Blödsinn beinhalten, sondern auch andere Qualitäten zu bieten haben, die nicht zuerst im Ausland entdeckt werden müssen, um hierzulande anerkannt zu werden. Er weiß sehr wohl – er selbst schränkt das mit dem Wort „einigermaßen“ ein, was er geschaffen hat, obwohl es derartiges in dieser Form kaum gibt. Daher wünscht er sich, (Zitat): „dass die Leute den Büchern einen vertrauensvolleren Blick schenken. Und auch den Grund verstehen, warum ich das alles im Selbstverlag und in bibliophilen Auflagen mache. Es ist schlichtweg zu speziell für profitmaximierende Verlage, zu riskant und unbekannt für das breite Publikum, zu aufwändig in der Herstellung. Ich mache es für die wenigen, die Geschmack daran finden könnten.“

Stellt sich die Frage nach dem Motiv solchen Tuns; warum nimmt ein Mann wie Nicolai Sarafov die Mühen auf sich, ein Triptychon, wie er es nennt, ein dreiteiliges Werk in die Welt zu setzen? – Nicolai ist Künstler, und Künstler sind Schöpfer, können nicht anders. Und wenn es ein Triptychon wird, dann zielt das auf etwas ganz Besonderes ab, denken wir nur an Otto Dix‘ „Großstadt-Triptychon“ in Stuttgart oder an Max Beckmanns Bilder in der Pinakothek!

Das Gestalten bibliophiler Bücher ist, neben den Radierungen, die große Leidenschaft Sarafovs. Die Techniken des Tief- und des Prägedrucks, der gewissermaßen Dreidimensionales und Haptisches mit sich bringt, scheinen bereits 1981 auf, als das in Leder gebundene „ESOPUS. HISTORISCHE BAGONALISMEN“ in nur 30 Exemplaren in New York und Nizza erscheint. Die „FRAGMENTE“, die „Vonzeitzurzeitschrift“ in zwölf Ausgaben, das legendäre Forum des Instituts für Bagonalistik, wurde 1987 begonnen und 2000 mit der tausendsten Seite abgeschlossen; sie kamen auf 380 Exemplare. Den Vorzugsausgaben der „Knochen aus Restbeständen“ (Auflage 500 nummerierte und signierte Exemplare) lagen, wie dem „Bär mit Abitur“, eine Original-Zeichnung bzw. –Radierung des Autors bei. Kein Wunder, dass sie längst vergriffen sind. Eine größere Fangemeinde kann schließlich Nicolais seit 1979 erscheinender Wandkalender mit Cartoons, Texten und Illustrationen zu einem jährlich neuen Thema für sich verbuchen.

Mit „Der Lichtjährige Spagat“ liegt nun der dritte und finale Band der Graphic Novel „Antilogie des Bagonalismus“ vor. Eine Anti-Logie wohlgemerkt, keine klassische Anthologie oder Blütenlese (griechisch ἀνθολογία „Sammlung von Blumen“, keine Sammlung ausgewählter Texte oder Textauszüge in Buchform. Welche Konsequenzen wir aus der Lektüre ziehen, ob uns die Bilder und Texte weiter bringen, ob sie uns gar zu Anarchisten werden lassen gegenüber dem Alltäglichen, diese Fragestellung lasse ich genauso offen und unbeantwortet wie jene nach äußerlichen stilistischen Einordnungen. Surrealismus oder „Magischer Realismus“, Schablonen der Kunstgeschichte oder der Kunstkritik führen beim Bagonalismus nicht weiter.

(Dank)

Axel Kotonskis „paar Worte zum Text“ zu Nicolai Sarafovs „Der lichtjährige Spagat“

am Freitag, den 14. Oktober 2016 am Institut für Bagonalistik

 

Lieber Nicolai,

Du hattest mich kürzlich gebeten, zur Sprache Deines Buches Der lichtjährige Spagat ein paar Worte zu verlieren, oder zu finden (so genau erinnere ich mich da nicht …).
Na jedenfalls war mir die freundschaftliche Spontanzusage Ehrensache. Doch wie bei all Deinen vorhergehenden Beauftragungen, die schriftsprachlichen Gedankenausformungen so mancher Deiner Druckwerke daraufhin zu überprüfen, ob sie den Gepflogenheiten der deutschen Orthografie und Grammatik entsprechen – und nichtgegebenenfalls anzupassen – fühlte ich sofort Wohlfühlschmerz aufstei­gen: Mühsam und anstrengend würde es werden, spannend und – Vergnügen be­reiten.

Auf Dein ursprünglich mündlich gestelltes Ansinnen, mich mit Deiner Sprache zu befassen, hatte ich sogleich gefrotzelt, da käme mir einer von Kurt Tucholskys „Schnipsel“ in den Sinn. Ihm habe geträumt, er müsse sein Abitur noch einmal ma­chen, und das Aufsatzthema habe gelautet: „Goethe als solcher“[i]. Als ich die E-Mail-Einladung erhielt, waren aus den Worten „zur Sprache“ ein paar Worte „zum Text“ geworden.

Oho! Text … Also das Gewebe der schriftlich fixierten Rede. Entgegenkommende Be-scheidenheit? Ich nehme es mal als Ansporn, in meinem kleinen Weberschiffchen auf Deinem philosophischen Ozean des Bagonalismus mit seinen Gedankenketten sprachlich zu Schuss zu kommen.

Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf. Wer schludert, der sei verlacht, für und für. Wer aus Zeitungswörtern und Versammlungsaufsätzen seines daherlabert, der sei ausgewischt, im­merdar. Kurt Tucholsky [ii] Waffen dienen neben dem Angriff auch der Abwehr. Du hast mir einmal davon be­richtet, wie Ihr in Eurer Herkunftsfamilie unter den Pressionen der damaligen tota­litären bulgarischen Staatsführung sprachliche Ausdrucksweisen entwickelt habt, die für Außenstehende und Spitzel rätselhaft bleiben sollten. Aus dieser Methode des Selbstschutzes hat sich offenbar die Querdenkerei des Bago­nalismus entwickelt, eine Querdenkerei, die im vorliegenden Buch von Möchtegern-Usurpator Colonel Odyssee gegeißelt wird, weil das Querdenken Macht infrage stellt und lächerlich macht[iii] – und sagt man nicht, dass Lächerlichkeit tötet?

Mir erscheint Deine Sprache eher entwaffnend, ist doch Dein Bago: [Zitat] Ein Gefühl, das die Bewältigung absurder Situationen durch Kreativität unterstützt[iv].

Ebenso entwaffnend bezeichnest Du die sprachlich materialisierte Trägerform des Bagonalismus, die Buthaphorie an anderer Stelle selbstironisch als windige und gro­teske Formenspielerei, gar als schmücklerische Attraptivität.[v] Mein Wortschatz braucht mehr Auslauf [vi]. Dieser Satz aus dem lichtjährigen Spagat be­schreibt geradezu programmatisch Deinen Umgang mit Sprache. Die Anspielungen, Wortspiele und allem voran Deine sprachlichen Neuschöpfungen spiegeln ein apo-kryphes Denken wider, mithin ein Denken, das sich um anerkannt Gültiges nicht schert, es vielmehr mithilfe sprachlicher Entlarvungsoperationen bis zur Kenntlich­keit entstellt. Wesentlich ist, was zwischen den Zeilen passiert.[vii] Gemeint ist wohl: Was im Kopf pas­siert, der bekanntlich rund ist, damit das Denken die Richtung wechseln kann[viii].

Im lichtjährigen Spagat lesen wir unter anderem, es obliege den Menschen mit Wis­sen und Geist, den schlimmsten Zustand der menschlichen Gesellschaft, die Mittelmäßigkeit mit ihrer erfolgreichen Bedeutungslosigkeit.[ix] zu stören. Deine Bagosophie (ich will sie mal schlicht als ein erhellendes Um-die-Ecke-Denken bezeichnen), unternimmt immer wieder den Versuch, diejenige Wirklichkeit zu tarnen, die sich an entflohene Realitäten nicht herantraut[x]. Das klingt freundlich und erfreulich unvollkommen menschlich. Narrare humanum est. Manchmal hilft es auch, historische Distanz einzunehmen. Zeit oder Geschichte wird dann empfunden als Zeitgenossenschaft des Vergangenen und Gegenwärtigen in selbstüberlappender Realität[xi]!

Unsere Zeit erweckt den Eindruck, keine Sekunde des Lebens dürfe ungenutzt ver­streichen; eine neue Kommunikationsreligion hat die Menschen ergriffen und zwingt sie zu unablässigem Götzendienst an mobilen Handaltären. Anwesende Mitmen­schen haben zugunsten der Nichtanwesenden zurückzutreten.
In Deinem Kosmos darf Langeweile aufkommen, als Reflex der menschlichen Natur auf die Zeit, die zu vergehen nur vorgibt und Dauer nur vortäuscht; denn Langeweile ist kein Nichtstun, sondern die Auskostung von Spannung, weil einiges länger weilt als ande­res.[xii]

Verlassen wir das Tiefschürfende.

Lieber Nicolai, Du wolltest ausdrücklich, ich solle von den Fährnissen eines Korrek­tors berichten. Voilà: Ob in einem einzigen Satz ein Schiff oder eine Amtszeit ausläuft – und wenn ja, wann und wohin – oder ob es ratsam ist, bei Auslaufmodellen von Wasserbetten zu­zugreifen, dieser hier völlig an der Behaarung herbeigezogene Fall einer Gedanken­verschlingung muss, wenn vom Chairman einmal beharrlich in ein einziges Satzge­füge gedrängt, entflochten zu werden der Boden dafür zu bereiten seine eigene Lo­gik und Zweck kaum besitzt und in den Begriff zu bekommen sich die Regie zu übernehmen anschickt, kann Freilegung des hoffentlich Gemeinten aus seiner gram-matikalisch und semantisch versponnenen Verhüllung als Zuckerschlecken zu be­zeichnen schlechthin der Vorzug kaum gegeben werden.

Konstrukte wie diese – bevorzugt mit bis zu drei Satzsubjekten – waren früher, als der Vorstand des Instituts noch aus einer vierfach-multiplen Person bestand (Nicolai alias Dr. Nicotte Zwo alias Salvatore Patata alias Reiner Chairman), nicht eben selten. Seit Olga und Sir Goldzwerg das Vorstandssextett bereichern, hat wohl besonders Olga (Vorbild für schlichte Reinheit und deren Pflege) maßgeblich dafür gesorgt, dass mich im vorliegenden Werk nur noch grammatikalisch Vorgeputztes erreichte.

Meine Arbeit ging daher glatter vonstatten. Wenn sich dann noch das Prüfkriterium der Endkorrektur erfüllte, nämlich dass der runderneuerte Satz so klingt, als sei er vom multiplen Nicolai persönlich gesprochen – Experten sprechen von Bagolalie –, war ich stolz und zufrieden.

Ach ja: Warum der Tempel des Bagonalismus auf drei Säulen differierender Kulturträ­ger[xiii] ruht, nein, die drei Säulen wachsen ihm aus dem Kopf, wo sie sich als drei Paro­dien zur kosmischen Weisheit im tiefere[n] Unsinn der Dreieinfältigkeit vereinigen[xiv], möge jeder selbst nachlesen und überdenken. Mich hat besagte Dreieinfältigkeit an das maliziöse Bonmot von Karl Kraus erinnert: Vervielfältigung ist insofern ein Fortschritt, als sie die Verbreitung des Einfältigen ermöglicht.[xv] Und wenn wir schon bei Karl Kraus sind: Dieser brillante Zyniker wollte vor jeden Kunstgenuss die Warnung gestellt sehen: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstände nur anzusehen, nicht zu begreifen.[xvi] Ein Schicksal, das dem hier vorliegenden Buch „Der lichtjährige Spagat“ erspart bleiben möge!

Epilog:

Textkorrektur zwingt zu häufigem Nachschlagen von Wörtern. Dabei bin ich auf die mir bis vor kurzem unbekannte Bezeichnung „Spagatprofessor“ gestoßen, den der Duden ab 1991 ausweist als umgangssprachlich scherzhafte Bezeichnung für einen Profes­sor, dessen Universitäts- und Wohnort weit auseinanderliegen. Man wagt nicht, sich auszudenken, wie weit Universitäts- und Wohnort eines licht­jährigen Spagatprofessors auseinanderliegen mögen. Da ist es beruhigend zu wis­sen, dass bagonalistische Lehranstalten vom Wohnort des mit der Lehre Selbstbe­auftragten fußläufig erreichbar sind.

Danke für die Aufmerksamkeit

 

Quellen:

[i] Schnipsel: Ein Mitarbeiter dieser Blätter hatte einst einen sonderbaren Traum. Er träumte, daß er sein Abitur
   noch einmal machen müßte, und das Thema zum deutschen Aufsatz lautete: „Goethe als solcher“.
   In: Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke 1932, Bd. 10, S. 60

[ii] Unter seinem Pseudonym Peter Panter in: Die Weltbühne, 17. 9. 1929, Nr. 38, S. 459

[iii] Nicolai Sarafov: Der lichtjährige Spagat, Institut für Bagonalistik, München 2016, S. 14

[iv] op. cit., S. 57

[v] bago.net/2011/06/butaforie-bagoxicon/

[vi] Spagat, S. 50

[vii] op. cit., S. 22

[viii] Francis . M. de Picabia: Aphorismen

[ix] Spagat S. 56

[x] op. cit., , S. 146

[xi] op. cit., , S. 32

[xii] siehe op. cit., , S. 28

[xiii] Spagat, S. 135

[xiv] ibid.

[xv] Karl Kraus in: Aphorismen, Sprüche und Widersprüche, VI. Presse, Dummheit, Politik;
zit. nach: Karl Kraus, Aphorismen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986 (Suhrkamp Taschenbuch 1318, S. 76)

[xvi] Karl Kraus in: Aphorismen, Nachts, II. Kunst;
   zit. nach: Karl Kraus, Aphorismen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986 (Suhrkamp Taschenbuch 1318, S. 325)

Ursprung BESENREIN

Antilogie der ALLumfassenden Bagonalismen

Text für die Präsentation am Institut f. B., 29. 5. 15

IfBag.’15-B (V.St) 89 <Vortrag „Was ist Bago“ II >

Die beabsichtigte Einführung in den Bagonalismus entfällt!

Heute steht auf dem Programm, (als einziger Punkt ohne Bier und Musik), die Präsentation des neuen Buches „Ursprung Besenrein“. Darin kommt vor, dass eine Art Querdenken, nämlich die Bagosophiespezifisch für den Vorstand des Instituts für Bagonalistik – bei der Lösung von den anstehenden Problemen im Fortlauf der Geschichte helfen kann. Hat auch maßgebend geholfen und darüber wollte ich heute sprechen.

Ja, tatsächlich, ich hatte beabsichtigt auf die Frage: „Was ist das Bagonalismus?“ etwas näher einzugehen. Nun, das hat sich erübrigt. Warum?

Um dieses WARUM zu beantworten, muss ich doch ein wenig ausholen. Nachdem alle ISMEN aus Kunst, Politik, Gesellschaft etc. in Schubladen ihren Platz zugeordnet bekommen haben, habe ich (vor mehr als 30 Jahren) beschlossen, meine eigene Schublade zu eröffnen, damit meine Arbeit nicht ständig in die falsche Kiste hineingezwängt wird. Wie z.B. Surrealismus, Dadaismus und andere – was nicht zutreffen würde.

Auf dem Schild der neuen Schublade stand „Bagonalismus“. Ein Neologismus! Mit Bedeutungen gestopft bis das neue Wort zu Begriff wurde.

Im Anfang war also doch das Wort.

So, das Werkzeug also – um geistig zu überleben – stand bereit. Der Begriff stand – Bagonalismus war nicht mehr wegzudenken! Im wahrsten Sinne des Wortes! Wenn ich gerade nicht darüber nachdenke, dann denkt er sich selber nach und so verbleibt der Bagonalismus im Bereich des Unerklärlichen.

Na ja, wie gesagt, den Bagonalismus kann man eigentlich nicht erklären, wie die Musik, die man hört, mit Worten nicht zu fassen, ich meine, verbal nicht erfassbar ist – so ist der Bagonalismus ein Gefühl: eine Verstärkung für das Immunsystem des Geistes im Umgang mit dem Absurden, dem Grotesken, mit dem Paradoxalen und dem Widersinnigen.

Eine der vielen Definitionen (171 bis jetzt) besagt folgendes: „Bagonalismus ist der Ausdruck für diejenige Haltung, die den Selbsterhaltungstrieb des Geistes nicht verdrängt.“ Den Bago kann man besser verstehen, wenn man versucht ihn zu definieren.

Eine andere Definition wiederum gibt folgendes zum ihren besten: Jede Bezeichnung, deren Erklärung Verwirrungen offen lässt, aber keine zu, ist Bagonalismus.“ Auf Umwegen wäre dabei auch dies darunter zu verstehen: Die Teilwahrheiten sind doch brauchbarer als die Große-Ganze-Wahrheit – die allumfassende Wahrheit, die nicht beschrieben, sondern nur umschrieben werden kann. So habe ich, um den Bagonalismus zu erklären 100 Seiten geschrieben und dabei in Frust kapiert, dass auch 200 Seiten keine endgültige Erklärung hervorbringen würden.

Der Zwang, mich durch diesen Haufen von Seiten zu erklären ist nicht mehr vorhanden.

Die Erkenntnis hat gesiegt: Bago ist ein Gefühl, das die Kreativität unterstützt absurde Situationen zu bewältigen. Situationen, die entweder grotesk, absurd, peinlich, unwürdig oder einfach schwachsinnig sind. Und dieses Gefühl ist individuell, privat und es ist sicherlich mit dem Humor verwandt. Wie man es auch dreht, es dreht sich immer irgendwie um Sinn im Unsinn.

Somit, liebe Freunde, ist euch und mir die peinliche Dauer eines Vortrags in diesem Sinne und Umfang erspart geblieben. Ich danke auch für eure Bemühungen bis dato, den unklaren Bago dennoch gewürdigt zu haben.

Also, fort mit den Erklärungen! Ich habe eh mehr gesagt als beabsichtigt.

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Das Buch „Ursprung Besenrein“ ist ein Versuch – durch das Prisma des BagonalismusScience Fiction liebevoll zu parodieren. Aus dem Inhalt der Graphik Novell geht nämlich hervor, dass wenn die Logik versagt, nur noch bagonalistisches Querdenken weiter helfen kann.

„Der Bagonalismus ist in besonderem Maße befähigt – heißt es im Buch, als einer der Avatare der Superintelligenz das Wort ergreift, um sich die Hilfe des Vorstandes des Instituts für Bagonalistik zu sichern – also,… er, der Bagonalismus, ist in besonderem Maße befähigt sich auf lebensnahe Teilwahrheiten zu verlassen und nicht mit einem dogmatischen Ungetüm von reiner Wahrheit die Welt verseuchen zu wollen. Das Chaos ist ein Konstruktionsprinzip über das Formale hinaus und das Absurde ist das bagonale Gestaltungsmittel des wahren Inhalts. Wir sind der Meinung, dass eure Auffassung – mit den Mitteln der Logik, die Logik zu umgehen und somit zu überwinden – einzig und allein das ALLumfassende Problem lösen kann…“

Die Schlussfolgerung beinhaltet sich in der letzten Definition für heute:

„Dem Bagonalismus sollte man keine große Bedeutung beimessen, aber er ist zu merkwürdig, als dass er überhaupt keine hätte.“

Danksagung an Angela, Christine, Winfried und Carsten… Danke!

Frau Dr. Michaela Raß wird jetzt aus kunsthistorischer Sicht ein paar Worte über dieses Buch selbst sagen… und jetzt DANKE ich endgültig AB!

 

 

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