Feed on
Posts
Comments

Staffel 6 (104)/ 15

Die Trächtigkeit des Nichts –

(Fragment 14 von 17)

Ein Buch von Nicolai Sarafov

Der anmaßende Punkt

Der Punkt stellt sich selbst vor:

Was ich bin? Ein symbolisches Gebilde ohne Ausdehnung, eine Stelle, an der sich die Stränge der Schöpfung schneiden. So werde ich zum Mittelpunkt der Unendlichkeit und damit auch des Universums. Das heißt dank dieser meiner Perspektive werde ich zum eigentlichen Etwas aus dem Nichts – dort geboren und als Punkt hinter die allererste Tatsache gesetzt und zum Fixpunkt zielstrebiger Ursache bestimmt. Aus meiner Perspektive ist die Schaffung eines weiteren Etwas durch mich kein Wunder. Was bin ich doch für ein wunderbarer, märchenhafter, legendärer …  ja, was noch für ein Punkt? Gelegentlich stellt mich die Kosmologie als wunden Punkt dar, wenn ich so immens schwer, zugleich anziehend …

Stopp, Punkt! Bleibe bei deinem konventionellen Umfang und vergiss den Größenwahnsinn deiner Singularität.

Ah, wirklich? Meine Wenigkeit schließt gerne jede imposante Vorstellung ab, sei sie noch so unausgegoren in die Zukunft weisend. Obwohl damals gerade durch mich Etwas ins Sein gerutscht und das Monopol der Leere durchbrochen hat. Ja, Ich, der intelligentest denkbare Punkt, lasse durch meinen Wirkungskreis das Nichts als unglaubwürdig erscheinen. Darüber hinaus strebe ich stets die Mitte des Zentrums an, den Ort meiner permanent virtuellen Existenz.

Zu dir, einsames Individuum, ziehen ebenfalls Parallelen aus dem Fluchtpunkt deines eigenen Universums. Diese bilden die Perspektive deiner Weltanschauung und ich beschere dir die Illusion ausgedehnter Sicht! Weiter hinaus kannst du nicht flüchten!

Punctum locutum causa finita? Wohl eher ein Streik der Klarheit. Warum? Der Fluchtpunkt lauert am Ende der Parallelen als seinem Zufluchtsort. Aber wenn sich die Parallelen in der Unendlichkeit begegnen, reflektiert sich dort, irgendwo im Nirgendwo, die umgekehrte Perspektive als Spiegelung. Es entfaltet sich (vollkommen gleich, ob perspektivisch korrekt oder unberechenbar verkehrt rum) ein siamesischer Zwilling des Vorhandenen und es offenbart sich die Unaufhörlichkeit der wahren Endlosigkeit. Von seiner Position in neuer Situation aus betrachtet erscheint der Fluchtpunkt in anderer Proportion, der des Goldenen Schnittes. Was der ideale Schnitt ist, der Durch- und Durchschnitt überhaupt!

Er bleibt als ästhetisch getarnte Ursache unansehnlich, da allenfalls vorbildliche Mittelmäßigkeit entsteht. Was bleibt, ist eine famose Dekoration für durchschnittliche Delirien. Auch deswegen, weil der vom eingebildeten Punkt gesetzte Goldene Schnitt perfekt und deswegen so langweilig ist.

Eigentlich verkörpert unser Punkt die reinste Buthaphorie16.

 

One Response to “Die Trächtigkeit des Nichts – 15 / 17”

  1. Wesley Jufer sagt:

    That is the suitable weblog for anybody who needs to seek out out about this topic. You realize so much its virtually onerous to argue with you (not that I actually would want…HaHa). You positively put a brand new spin on a topic thats been written about for years. Nice stuff, just great!

Leave a Reply