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Die bessere Welt (3)

Die bessere Welt und die Velozipedisten

Fünf Fortsetzungen einer klangträchtigen Utopie der Superlative

mit Sturzgefahr in Mol und Dur

Der Schwarze Peter kommt vor

P (BF) 16 <Dritter Teil>

Randbemerkung über das Welbild
Selbst wenn man über das hinwegschaute, was jetzt halbwegs zu sehen ist, sähe man die Welt von morgen immer noch so, wie man sie gestern gesehen hat. Das heißt, man kann sie heute nicht so sehen, wie sie ist. Denn eigentlich betrachtet man die Welt der anderen nur, wie man sie sieht und nicht, wie sie ist.
(Ein freundliches Plagiat besagt: „Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wie wir sind)“ Was bewirkt das schon?
Da wir den Sinn des Lebens erkannt, die Unendlichkeit begrenzt und die Existenz begründet haben, so brauchen wir uns nicht weiter mit WARUM und WIESO herumplagen.
Wir befinden uns in der bevorzugten Lage, die eigene Umgebung, Welt, Universum neu zu gestalten. Also liegt es an uns, welche Maßnahmen zur Weltverbesserung in Erwägung zu ziehen sind.

Die Velozipedisten damals
Erinnern wir uns, was Zipedismus in der Vergangenheit getrieben hat.
Damals konnte man über Radler ungestraft reden, weil es keinen kümmerte, ob sie einen Führerschein hatten oder ihnen der Schein eines Führers um die Füße strahlte.
Ein Radler setzte sich voll mit Bier und Limonade in Szene. Sein pedalophiles Treiben zog Kreise, die kein Zirkel beherrschte. Im allgemeinen Stoßverkehr der Richtungen häuften sich viele Velozipedisten um ignorierte Farbsignale an und brachten die Ampeln der Andersfahrenden in irrwirrige Lage.
So NICHT!

Aber
Zur Verwirklichung der schönen neuen Straßenkultur bedürfte es gewisser Regulatoren. Wenn ein Radler an einer Kreuzung vor lauter Ampeln dann und wann nicht weiter könnte, weil manche der Ampeln womöglich auf ROT schalteten, dann stünde das Veloziped still. Der Trichter (Sie erinnern sich noch was mit dem Trichter bezweckt werden sollte) bekäme von allegro bis pianissimo unzureichend Wind. Auch keinen Gegenwind.
Die Musik bliebe aus.
Katastrophe!

Ohne korrektes Verhalten brächte die Utopie wegen läppischer Überquerungen zusammen. Im logischen Vollzug der gemeinsamen Sache wären dann Ampeln durch Dirigenten zu ersetzen und — sofern deren Zahl nicht ausreichte — für weniger wichtige Straßenkreuzungen in Schnellkursen Hilfsdirigenten nach dem Muster von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auszubilden. Sie alle verfügten über Blasebälge, um gegebenenfalls den einen oder anderen in Wartestellung verharrenden Trichter mit Wind zu versorgen. Vom Ampelersatzleiter einfühlsam ermutigt, könnten einstweilen die Fußgänger den Chorpart übernehmen und als Kontrapunkt auf der Prestissimowoge der Velozipedisten zum anderen Straßenufer schweben.

An wichtigen Ecken könnte man Klaviere oder sogar Orgeln festnageln, um durch ihren partikularen Einsatz z.B. einen drohenden Unfall zwischen zwei Geigern zu vermeiden; oder bloß, um Tonangeber mit Betonlizenz zu überstimmen. Oder es gelänge einem Flügel ein beeindruckendes Solo im Fluss des Verkehrs nach Anweisung der Dirigenten, die, ihrerseits von diversen Gezeiten des Verkehrs gelenkt, keinesfalls autorisiert wären, an traumatische Wellblechbrecher aus der Vergangenheit zu erinnern.

Die etwas andere Kultur ohne Stimmgabel
Man sollte sich aber nicht wundern, wenn gewisse Menschen der neuen Konzeption nicht nur zu Fuß oder beradelt folgten, sondern sich mit Pinseln und Paletten nach draußen begäben, um sich eher schweigsam unter das musizierende Volk zu mischen: Harmlose Individualisten, die als kreative Außenseiter der Gesellschaft auch ihren Beitrag zur besseren Welt leisten wollten; die „Vielfalt“ nicht nur als neues Wort anhören oder ansehen, sondern neu begriffen als kulturelle Entfaltung zur Gestaltung einer schöneren Welt.

Sie wären nicht zu vernachlässigen, denn sie malten Portraits der Dirigenten, skizzierten Musiker unterwegs, stellten den Sound in abstrakten Bildnissen dar, oder übten sich im Aktzeichnen, sobald sich jemand öffentlich entblößte.
Ihre Hinterlassenschaften blieben als Eindruck und Augenweide von der Verkehrsgemeinschaft nicht unbeachtet. Manches ihrer Werke schmückte Fassaden — auch ohne Tonwerte angezeigt zu haben.

Wir sind für gemeinsam abgestimmte Toleranz der brummenden Mehrheit gegenüber künstlerischer Diaspora.
Ergo summen wir nicht für etwas, wogegen wir sind.

Fortsetzung —4— folgt übermorgen

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