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Auf ein Wort!

Der November

Auf ein Wort!

Anfang und Ende sind keine Routine

Zwischenbilanz

Semiradikaler Rückblick

Inspektion ob der Richtigkeit

Angebrachte Wiederholungen

 

QI (BF)2 34 <Selbst, Kritik und Konsequenzen>

 

Anstoß

Zugegeben, wir halten uns bevorzugt nicht an die exakten Bedeutungen mancher Wörter.

Das heißt noch lange nicht, dass wir ihre Schreibweise ignorieren. Oder haben wir etwa  Sprachstörungen verursacht?

In unseren Schriften gäbe es Texte, als wären diese Stiefkinder der Vernunft. Die Darlegungen wären verkompliziert, die Botschaften nebulös und der ganze Bagonalismus sei nicht transparent genug.

Wer ist der verhinderte Brillenträger?

(Apropos: Transparenz an sich ist dem Durchschauen nicht sein Durchblick./Anm. d. bagosophischen Abt. des Inst. f. Bagonalistik, MUC – Maxvorstadt).

Also wir seien dies und wären jenes, nur nicht dem Volke richtig angepasst. Da marschieren sie schon: z.B. Otto, der nicht ganz normale Verbraucher; Max, der ausgemusterte Mann; Hans, der von Glück reden kann, wenn er nicht übers Ohr gehauen wird; — und überhaupt wären da all die nicht berücksichtigt, die hart für deren Wohlstand arbeiten müssen …— rufen wir doch gleich: „Es lebe die Revolution!“ …— und alles Lebenswerte wird den Bach runter stürzen, wie schon so oft zuvor.

Allerdings verhält sich all dies ein klein wenig anders. Der Kampf…

 

HALT!

Da drehen einem die Ideen durch, wenn man den Gedanken verliert.

Hier entlang, bitte:

Das Buch „Eleganter Unsinn“ von Alan Sokal und Jean Bricmont ist ein zutiefst „bagonalistisches“ Buch (sollten die Autoren jemals etwas über Bagonalismus erfahren haben).

„Eleganter Unsinn“ ist eine Abrechnung mit dem imposanten Jargon und der arroganten Gelehrsamkeit der postmodernen Philosophie, die ein erschreckendes Faktum verbergen: Der Kaiser ist nackt!“.

(Eigentlich geht es im Buch darum, wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen, um die Leute zu beeindrucken, die sich auch gleich massenweise davon beeindrucken lassen. Letzteres zur Folge wäre die Drangsalierung des Geistes und die weitere Verblödung der Massen.

Die Frage ist — welche sozialneidische Aufwieglereivereinigung davon profitiert?

Die „Koryphäen“ prallen in ihren Veröffentlichungen und Vorträgen mit Wissen, von dem sie peinlich wenig besitzen. So quasi prangern die Verursacher des Buches alle die Wichtigtuer an, die viel reden und nichts dabei sagen. Obwohl wir, ausgerechnet an dieser Stelle, die Sache ein wenig zu knapp behandeln, nehmen wir dennoch die Autoren und ihr Werk ernst und beim Wort. Alles weitere steht im diesen mutigen – leider nur antiquarisch zu beschaffenden Buch – worin einem Zusammenhänge und aufgeführte Zitate geduldig erklärt werden. Andersrum würde man diese auch mit zwei Universitäten kaum verstehen).

 

Selbst

Es wäre recht peinlich sich mit den oben zitierten Titanen des Denkens zu messen. Diese Größenordnung ist für Vollprofis reserviert. Da wir aber immer wieder in suspekten Gedanken versinken, sind wir in der Lage manch gemeinsame Wellenlängen zu empfangen, die uns davor bewahren, in der Vereinsamung des eigenen Tuns zu ertrinken. Heilsam ist auch, wenn man aus der Kritik an anderen, Aspekte der eigenen Arbeit als Mängel erkennt.

Selbstkritik ist gut, aber Konsequenzen sind besser. Wir ziehen daran. Behutsam.

 

Wogegen sind wir dafür?

Das heißt: Man soll etwas erschaffen, um dadurch dagegen sein zu dürfen, wogegen man glaubt sein zu müssen. Nachdem alle ISMEN aus Kunst, Politik, Gesellschaft etc. in Schubladen ihren Platz zugeordnet bekommen haben, beschlossen wir, unsere eigene Schublade zu eröffnen, damit unsere Bemühungen (Werk) nicht ständig in die falsche Kiste hineingezwängt werden. Daraus entwickelte sich allmählich ebendarum der Bagonalismus, womit wir glauben dagegen (wogegen wir immer dafür sind) sein zu dürfen, solang der Bago hervorbringend und schaffend ist.

 

Wie war das im Anfang, als zuerst das Wort da war?

Unsere Satzung zur Gründung des Instituts für Bagonalistik im Jahre 1986 besagt im dritten Hauptsatz folgendes: „Die Aufgabe des Instituts ist es, Konditionen zu schaffen, die zur Pflege des BAGONALISMUS beitragen, insbesondere trägt das Institut Sorge dafür, durch seine Tätigkeit den Verlust an Heiterkeit zu reduzieren.

 

Wir sind Bagonalisten, heißt es! Was auch immer dies sein soll. Aber es sollte sein! Allmählich haben sich Bago, Bagonalismus, Bagonalistik, Bagosophie, bagonal, Bagonalitäten emanzipiert. Mit Bedeutungen geladen, erreichten diese phonetischen Buchstabenkombinationen den Status von Begriffen, die wir ja anfänglich als neue Wörter kreiert haben, um uns dadurch äußern zu können. Folglich widmeten wir uns einer limitierten Öffentlichkeit, in welcher wir hofften bestimmte Eigenschaften anzusprechen, die uns die Illusion nicht rauben hätten können, unser Bemühen sei keineswegs albern. (Wir sprechen von Eigenschaften wie Humor; Verständnis für das Absurde; Spaß ans Paradoxe; Sprachwitzgenuss; Geringschätzung von Dummheit; Mittelmäßigkeitsvermeidung und so weiter).

 

Das innere Bedürfnis, den Bagonalismus zu berufen, führte uns zu der Erkenntnis, dass der Bagonalismus keine bloße Erfindung sein kann, sondern sich schon immer selbst mit Wort, Bild, Klang verraten hat, und in der Tat seit Ewigkeiten IST. Mit seiner Berufung haben wir in auch getauft, da es bislang keine Bezeichnung für den Bagonalismus gab. Danach hieß es ihn als kreativer Beitrag zur Bewältigung vom Absurden und zur Stärkung des Selbsterhaltungstriebes des Geistes zu veranschaulichen und entsprechend einzusetzen.

Für den Anfang schien dies ausreichend, um zu beginnen.

 

Also, wie war das noch ein mal?

Wir (einer von uns) sind (ist) in Sofia / Bulgarien aufgewachsen. Das Vergnügen hatte ich während der kommunistischen Ära, in der die geistige Deformation eines Volkes vollbracht wurde. (Unter günstigen Umständen könnte der Schaden nur durch häufigen Generationswechsel behoben werden.)

Und doch, und dennoch! Mit oft recht skurrilen Mittel haben es kleinere Freundeskreise relativ erfolgreich geschafft den reichhaltigen Unterdrückungsmethoden auszuweichen.

 

So bin ich in einer intellektuell-künstlerischen Mitte, in der Umgebung von Menschen aufgewachsen, die sich einer eigenen, fortwährend kreierenden Sprache bedienten, um von den Spitzeln nicht verstanden zu werden. Das war ein Riesenspaß, den sie untereinander hatten, als sie alles Verbotene aussprechen konnten (zum Trotz Damoklesschwert). Sie bedienten sich allerlei Wortspiele, Zweideutigkeiten, Neologismen, pseudogelehrtem Jargon und komischer Grammatik, wenn erforderlich. Es kursierten noch etliche Scherze zwischen den Zeilen. (Dennoch musste mein Vater wegen eines Witzes für zwei Jahre hinter Gitter).

 

Gezogene Konsequenzen

Wenn also diese Menschen auf diese Weise geistig überlebt haben, dann ist das Spiel mit der Sprache ein sehr wohl legitimes Mittel gegen totalitäre Entmündigung. Diese Methode verdient Beachtung auch dann, wenn der Wortschatz malträtiert wäre. Alles weist auf eine kreative Bewältigung absurder Situationen hin.

 

In der Bagonalistik und Bagosophie macht sich die Verwendung fachgebundener Begriffe anderer Gebiete bemerkbar. Das Fach selbst wird hier nicht verletzt. Vielmehr sollten diese Begriffe die bagonalistische Absicht unterstützen, Assoziationen wecken, die den Inhalt der Aussage mitziehen sollten.

 

Die Hintergründigkeit sonstiger Neologismen – (die alle im Bagoxicon an und für sich erklärt werden) – basiert auf unserem Unvermögen für das jeweils betreffende Phänomen ein echtes Wort zu finden. Bedenklich ist hier die Tatsache, dass der DUDEN nicht mitmacht. So werden wir gezwungen auf eigene Begriffe zurückzugreifen: Z.B. Butaforie, Interpräkativität, Konterheit, Estagonie etc.

 

Eigentlich sind die bagonalistischen Wortkreationen präzise, da sie sich nicht an den bockbeinigen Wörtern orientieren, jedoch im Sinne derer Bedeutungen handeln. Z.B. wenn wir das Wort „linear“ anwenden, so ist das kein mathematischer Begriff mehr, sondern ist das „lineare Denken“ (unseres Erachtens) eine fantasielose Beharrlichkeit. (Auszug aus Definition 39: „Der Bagonalismus erscheint als die Metapher einer Methode, wodurch die Logik des linearen Denkens überwunden wird…“).

An weiteren Beispielen fehlt es sicherlich nicht.

 

Wegen mutmaßlicher Kopfarbeit werden wir jetzt aufhören BAGO zu erklären, der eigentlich offensichtlich sein sollte: Der Bagonalismus an sich ist eine „undefinierbare Klarheit“ (deswegen mehr als 150 Definitionen) und angesichts der Gefahr in gleiche Banalität zu verfallen, wenn Binsenwahrheiten in unverständliche Gelehrsamkeit verkleidet werden, bleiben wir trotzdem dabei, die Logik mit ihren Mittel zu umgehen; bleiben wir der „indirekten Deutlichkeit“ zugetan, um Klarheit und Deutlichkeit im Bagonalismus zu bewahren.

Das BAGODING definiert ein Konzept und nicht eine Entität.

 

Nachschlag (oder wird das heute Bonus genannt?)

Zum Schluss von QI (BF)2 34 bieten wir einen für sich stehenden Satz der ersten Stunde an. Dieser Satz kommt ohne Fremdwörter zurecht, was nicht heißen soll, dass hier jemand klein beigibt.

Eigentlich kommt es auf den Extrakt schöpferischer Wandlungen an, die auf Verdacht und Gedeih die Verderblichkeit menschlicher Liebenswürdigkeiten nicht unmotiviert unser aller Klatschbestand auszuliefern bemüht sind.

3 Responses to “Auf ein Wort!”

  1. Ivo Kranzfelder sagt:

    Lieber Nikolai, sehr schön, einen Verweis auf das von irgendeiner Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommene Buch von Sokal und Bricmont zu lesen. Jetzt muss nur noch jemand diesen Hinweis lesen und vielleicht den Kommentar und dazu weitersagen etc. etc., so, wie man durch ein paar Spiegel unendlich viele werden kann. Wie ich neulich im Gespräch schon einmal erwähnt habe, bin ich ja auch ein großer Bewunderer von Flaubert, der sich, vor allem (aber nicht nur) mit seinem letzten Roman „Bouvard und Pécuchet“ sowie der dazugehörigen Materialsammlung im „Wörterbuch der übernommenen Ideen“, dem aussichtslosen Unterfangen der Bekämpfung der menschlichen Dummheit verschrieben hat. Über die erwähnte Materialsammlung schrieb er in einem Brief: „Es wäre die historische Glorifizierung all dessen, was allgemein als richtig gilt. Ich würde demonstrieren, , dass die Mehrheiten immer recht und die Minderheiten immer unrecht haben. Ich würde die großen Männer allen Dummköpfen opfern, die Märtyrer allen Henkern… Im ganzen Buch“, so fuhr er über sein Projekt fort, „dürfte kein einziges auf meinem Mist gewachsenes Wort vorkommen, und nach der Lektüre dürfte man gar nicht mehr zu reden wagen vor Angst, aus Versehen einen der Sätze zu gebrauchen, die darin stehen.“ Dazu passt, dass es in München seit ein paar Jahren ein sogenanntes Flaubert-Zentrum gibt, das sich, ich kann nicht anders als es in Anführungszeichen zu setzen, der „Exegese“ und „Erforschung“ seines Werkes widmet. Besser kann die klassische Ironie nicht zum Ausdruck kommen. (Bei Kierkegaard kann man’s auch nachlesen, übrigens. Anders halt.)
    Und weil’s so schön ist, zum Abschluss noch ein kleines Zitat aus „L’Éducation sentimentale“, das auf deutsch den etwas drögen Titel „Die Erziehung der Gefühle“ trägt: „Deslauriers war wieder bei seinem alten Traum: dem Posten eines Chefredakteurs, das heißt, dem unbeschreiblichen Glück, andere zu leiten, nach Belieben in ihren Artikeln herumzustreichen, Aufträge zu erteilen, abzulehnen. Seine Augen funkelten hinter den Brillengläsern, er geriet ins Schwärmen und trank Schluck für Schluck mechanisch ein Gläschen nach dem anderen.“
    In diesem Sinne, à bientôt,
    Ivo

  2. Rumen Vachev sagt:

    Wenn wir mit manchen Worten nicht das meinen,was selbst die Worten bedeuten sollen,dann stellt man ganz offensichtlich jemandem gegenuber eine minimum formuliert agressive Sprech- und Denkattake. Maximum:ungefähr das gleiche aber nicht so positiv gemeint. Und zurück zur „gutgemeinte Sprechattake“.
    Man kann sie verwenden, jemandem einen Schubs zu geben und damit ungefähr solche Botschaften zu vemitteln: „Hey wach auf,aber nicht so viel“ oder: „Dein Nichtlachen verwandelt sich langsam in Constantwert“, „Kakteen sind die besten Blumen zum Schenken auf einem Geburtstag, nun ziemlich wenige können das durchblicken“…und viele mehr.

    Diese Art von gezieltes Nichtsagen ist so eine Widerspiegelung in winzigen Massstab wie das menschliche Leben auf der Erde-> kurz und hochinteressant. Hier werde ich die beide vergleichen und komme zum Beschluss, meiner Meinung nach, es ist eine Welt+Erde erklärenden Einstellung, genug nichts zu sagen oder das Gesagte ist nicht genung, deswegen muss auch noch jemand mitmachen , die schwere Aufgabe auch auf sein Rücken zu nehmen.
    Mir riecht es an eine annähernde Bagonalistische Deffinition. Einer von den vielen.“Wir können die Welt nicht verändern, müssen wir aber nicht!“

    Wie geht man in einer Wolke rein? Von der linken oder rechten Seite herein. Niemals direkt durch Zentraleingang-dort gibt es Stuffe, sie ist nicht zu sehen, da es eben in der Nebel der Wolke versteckt ist. Man kann böseartig darüber stolpern.

    Man geht herein und noch paar Schritte nach innen, Man geht noch weiter. Von oben solle es Sonnenschein sein, was auf dem Kopf Licht wirft. Das weiss man aber nicht genau. Man sieht vor sich eine Sprungfedermatratze, das weiss man eben auch nicht.

    Mitagszeit in der Wolke.

    Bis jetzt hunderte Vermutungen und keine genaue Erkentniss. Man geht noch bissschen weiter und sagt zu sich: „Der Eingang war dort, ich kenne den Weg“ und man verliert sich und zwar stabil…Links: weiss.Rechts:weiss. Vorne die ganze Kreuzung auch nebelweiss, aber es wird keinen Rückweg gesucht, da es erst jetzt interessant wird:Neue Erkenntnisse zu vermuten und sich von alte Verzweiflungen abzudistanzieren.

  3. Ruthann sagt:

    I do like the manner in which you have presented this particular issue and it really does provide me some fodder for consideration. Nevertheless, because of just what I have experienced, I just simply trust as other commentary stack on that individuals keep on point and in no way get started on a soap box regarding some other news du jour. All the same, thank you for this superb piece and while I can not really agree with the idea in totality, I value your viewpoint.

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